Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Zur Lehre vom Mitbesitz. 375
Wandlungen und Gebrauchshandlungen nicht durchführen
lasse.
Indessen hat diese Unterscheidung ihre Lebensfähigkeit
nunmehr seit rund 2000 Jahren in Rechtswissenschaft und
Gesetzgebung bewährt: In Rom war derjenige, welcher eine
Sache in Pfand genommen, juristischer Besitzer derselben und
durfte unter dem Schutze der possessorischen Interdikte gegen
den Willen des Verpfänders an der ihm verpfändeten Sache
alle Handlungen vornehmen, welche zur Aufrechterhaltung der
thatsächlichen Herrschaft erforderlich sind und sich in diesem
Zwecke erschöpfen; dagegen machte er sich eines kurtmu
schuldig, wenn er die Sache in Gebrauch nahm, also Hand-
lungen vornahm, welche sich in jenem Zwecke nicht erschöpfen.
Nach B.G.B. ist der Pfandgläubiger zum Besitze der ihm
verpfändeten beweglichen Sache berechtigt, zum Gebrauche der
Sache ist er regelmäßig nicht berechtigt. Nach § 1215 B.G.B.
ist der Pfandgläubiger dem Verpfänder gegenüber sogar zur
Verwahrung des Pfandes verpflichtet, mithin also auch
zur Vornahme solcher Handlungen, durch welche das äußere
Herrschaftsverhältniß aufrecht erhalten wird. Nach § 290
St.G.B. ist dagegen ein öffentlicher Pfandleiher, welcher die
von ihm in Pfand genommenen Gegenstände unbefugt in
Gebrauch nimmt, mit Gefängniß zu bestrafen.
Offenbar setzt also sowohl das römische Recht, wie auch
das B.G.B. und das St.G.B. die Durchführbarkeit der Unter-
scheidung zwischen reinen Besitzhandlungen und Gebrauchs-
handlungen als selbstverständlich voraus.
In Wahrheit wird diese Unterscheidung denn auch täglich
von unzähligen Menschen ohne die geringste Schwierigkeit
praktisch durchgeführt.
Dieses sind die Erwägungen, auf Grund deren ich in

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