Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Zur Lehre vom Mitbesitz.

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muß vielmehr auch für das Verhältniß der Mitbesitzer zu
einander bei dem § 858 bewenden, wonach jede Beeinträchti-
gung ohne den Willen des Genossen als verbotene Eigenmacht
gilt" (S. 179).
Sollte man da nicht fragen müssen: weshalb hat denn
der Gesetzgeber noch den § 866 ins Leben gerufen, wenn es
„auch für das Verhältniß der Mitbesitzer zu einander bei dem
§ 858 bewenden muß"?
Dann aber muß darauf hingewiesen werden, daß nach
Wolfs als „Beeinträchtigung" in diesem Sinne jede Ein-
wirkung auf die Sache zu betrachten ist, gleichgültig ob sie zum
Zwecke des Gebrauchs oder zum Zwecke der Aufrechterhaltung
der thatsächlichen Herrschaft vorgenommen wird, denn einen
solchen Unterschied will Wolfs ja überhaupt nicht gelten lassen.
So sagt er dann auch ganz allgemein: „Erlaubt ist die mit
dem Willen der Mitbesitzer vorgenommene Handlung" (S. 179).
Prüfen wir nun, zu welchen Konsequenzen diese Auffassung
führt. Zunächst müßte bei Abwesenheit des einen Mitbesitzers
der zurückbleibende, bei Gefahr, verbotene Eigenmacht zu be-
gehen, die Verwaltung der gemeinsam besessenenen Sache gänz-
lich einstellen; ja noch mehr: der zurückbleibende Mitbesitzer
würde sich verbotener Eigenmacht schuldig machen durch Be-
treten des Grundstücks, etwa zum Zwecke der Entfernung eines
unbefugten Eindringlings, oder dadurch, daß er die gemeinsam
besessene bewegliche Sache einem Diebe abjagte, oder dadurch,
daß er ein entlaufenes Schaf einfinge und zurückholte, es sei
denn, daß dieses alles ihm vom abwesenden Mitbesitzer ge-
stattet war; keineswegs aber dürfte er sich hierbei etwa auf
eine vermuthliche Einwilligung berufen, denn „im Besitz-
störungsstreite kommt es stets auf den wirklichen, nicht auf
den muthmaßlichen Willen des Besitzers an" (S. 178).
Ferner stände jedem Mitbesitzer der Schutz der Besitzklagen

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