Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Martin Wolfs,

statt, aber dieser Besitzschutz werde in gewissen Fällen positiv
eingeschränkt^). Diese Ausführung giebt Antwort auf eine
falsch gestellte Frage. Nicht o b ein Besitzschutz stattfindet, kann
fraglich sein, sondern nur, wer ihn genießt.
2.
Um diese Frage zu beantworten, geht W. von Seeler,
dem wir die ausführlichste Bearbeitung der Lehre verdanken,
davon aus, daß ein Mitbesitzer gegen den anderen ein „Ver-
bietungsrecht" habe, d. i. das Recht, jenem die Bor-
nahme einer Besitzhandlung zu untersagen, und er nimmt an.
daß wenn der Eine dieses Recht geltend mache, der Andere,
welcher dem Verbote zuwider eine Besitzhandlung vornehme,
verbotene Eigenmacht begehe, daß daher der Verbietende, nicht
sein Gegner, den Besitzschutz genieße. Eine Ausnahme hiervon
erkennt er nur für die „reinen Besitzhandlungen" an,
wie er diejenigen Handlungen nennt, die „zur Aufrechterhaltung
des äußeren Herrschaftsverhältnisses unerläßlich nöthig sind
und sich in diesem Zwecke erschöpfen"^): solche Handlungen
zu verbieten, so lehrt er. habe kein Mitbesitzer das Recht; wer
sie hindere, begehe seinerseits verbotene Eigenmacht. Er stellt
hiernach als den Inhalt des § 866 den Satz auf: „Besitzen
Mehrere eine Sache gemeinschaftlich, so findet in ihrem Ver-
hältnisse zu einander ein Besitzschutz nur zu Gunsten der reinen
Besitzhandlungen und des Berbietungsrechts statt; alle anderen
Ansprüche sind petitorisch zur Geltung zu bringen"^).
73) Dies führen aus: Planck, Komm, zu § 866 Anm. 2b, Kipp
in Windscheid's Pandekten,8 Bd- l S. 696: die Mitbesitzer haben
gegen einander Besitzschutz gegen Entziehung, nicht gegen Störung, S. 737, 7;
Cosack, Bd. 23 § 282 Zifs. 2. Buhl, Recht d. bewegl-Sachen, S. 36.
74) Miteigenthum nach B.G.B. S. 11, vergl. v. Seeler, Mit--
eigenthum nach röm. Recht, S. 12, 24, 32 f.
75) Miteigenthum nach B.G.B., S. 5, 16 ff. Ein ähnliches Er-

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