Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Martin Wolfs,

dadurch, daß der Wille auf eine quotenmäßige Beherrschung
der Sache gerichtet sein könne, werde der Mitbesitz ermöglicht.
Die römischen Juristen erkannten nur einen Mitbesitz nach
Quoten an und zogen hieraus nach einer bekannten, aber in-
haltlich bestrittenen Digeftenstelle den Schluß, daß ein Mitbesitz
nur dann vorliege, wenn sich die Mitbesitzer die Quote, zu der
sie besitzen, vorstellen 2°). Von den Partikularrechten hat sich
nur das sächsische über die Konstruktion des Mitbesitzes aus-
gesprochen, indem es — ganz römisch gefärbt — nür einen
Mitbesitz „nach ideellen Theilen" zuläßt 21). In der Literatur
der übrigen deutschen Partikularrechte, insbesondere des preußi-
schen und des österreichischen Rechts, ist man vielfach, wenn

äußerlich nicht existirenden Theil beschränkt sein"; das „äußere physische
Berhältniß . - ist faktisch stets so, wie es äußerlich ist, ohne allen Unter-
schied, was man dabei denkt und will ..eine physische Beschränkung auf
einen ideellen Theil ist logisch und physisch nicht möglich; eine compossessio
ist daher nur von Seiten des animus durch Beschränkung des Willens auf
einen ideellen Theil möglich". Vergl. ferner Randa, Besitz,^ S. 504.
Etwasanders: Steinlechner, Wesen der iuris communio, Bd. 2 (1878)
S. 12 f.
20) 1. 32 § 2 D. de usurp. 41, 3: incertam partem possidere nemo
potest: ideo si plures sint in fundo, qui ignorent, quotam quisque partem
possideat, neminem eorum mera subtilitate possidere Labeo scribit. 06
diese Konsequenz, weil sie als mera suptilitas bezeichnet wird, zurückgewiesen
werden soll oder nicht, ist streitig. Vergl. Windscheid(-Kipp), Pan-
dekten,^ Bd. 1 tz 152" und die dort Citirten; ferner Wilke, Die Klagen
der Mitbesitzer (Berlin 1890, Jnauguraldissert.), S. n—24; Klein, Sach-
besitz und Ersitzung (1891), S. 447 ff. Es ist zu vermuthen (worauf Herr
Professor Bernhard Kübler mich hinzuweisen die Güte hatte), daß die Worte
„mera suptiiitate“ interpolirt sind; dann ist der Satz L ab e o s als unzutreffend
zurückgewiesen worden, und es hat zwar nicht nach klassischem, aber nach
justinianischem Rechte ein Mitbesitz ohne Quotenbewußtsein der Einzelnen
bestehen können.
21) Sächsisches B.G.B. § 192: „Eine Sache kann zu gleicher
Zeit von Mehreren nicht ungetheilt, wohl aber nach ideellen Theilen be-
sessen werden."

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