Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Schadensersatz wegen Nichterfüllung bei gegenfeit- Berträgen. 131
Dazu kommt ein sehr wesentlicher Punkt: das B.G.B.
handelt bei der Verzugslehre, im Gegensatz zu der früheren
Fassung des H.G.B., weder von Selbsthülfeveräußerung, noch
von Deckungsgeschäft, noch endlich von einer abstrakten Schadens-
berechnung, so daß auch jede positive Grundlage der Gegen-
ansicht entfallen ist.
Des Weiteren bezieht sich der § 326 B.G.B. keineswegs
bloß auf den Kauf, sondern auf alle gegenseitigen Verträge,
insbesondere auch auf solche, bei denen die gegenüberstehenden
Verbindlichkeiten auf einen anderen Gegenstand als Geld ge-
richtet sind. Hier versagt vollends jede Analogie mit dem
handelsrechtlichen Kauf.
Auch ist zu beachten, daß die Regelung des Schadens-
ersatzes wegen Nichterfüllung bei dem Leiftungsverzuge keine
andere sein kann, als bei der verschuldeten Unmöglichkeit.
Dies beweist der Umstand, daß die beiden Fälle unmittelbar
hinter einander behandelt werden, und daß für beide in dem
entscheidenden Theile der gleiche Ausdruck verwendet wird (vergl.
§§ 325, 326 B.G.B.) 60). Bei der zu vertretenden Unmöglich-
keit denken aber die Gegner selbst nicht an Selbsthülfe- oder
an Deckungsgeschäfte61).

60) Dies scheint der Kommentar von Düringer-Hachenburg
zu übersehen, indem er bei der Unmöglichkeit (Bd. 2 S. H4a) die Gegen-
leismngspflicht des die Entschädigung verlangenden Gläubigers ausdrücklich
betont, bei dem Verzug dagegen (S. 154) eine solche, nach den Aus-
führungen über Selbsthülfegeschäfte, nicht anzunehmen scheint.
61) Eine andere Frage ist die, ob nickt vom gesetzespolitischen
Standpunkte aus die Vorschriften des alten Handelsgesetzbuches über den Ver-
zug beim Handelskäufe vor denjenigen des B.G.B. den Vorzug verdienen.
Zahlt der Käufer nicht rechtzeitig, so hat der Verkäufer, zumal im Handels-
verkehr, ein sehr lebhaftes Interesse daran, sich möglichst schnell der Waare zu
entledigen. Umgekehrt muß meistentheils der Käufer bei Erfüllungssäumniß
des Gegners seinen Bedarf sogleich anderweitig decken. Andererseits ist auch
dem in Verzug befindlichen Vertragstheil damit, daß er bloß die Differenz
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