Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Wilhelm Kisch,

so hätte die unrichtige Folgerung nahe gelegen, als ob hier
nicht, wie bei den einseitigen Schuldverhältnissen, Schadens-
ersatz wegen Nichterfüllung verlangt werden könnte. Durch
ausdrückliche Hervorhebung der Entschädigung sollte ein derartiges
Mißverständniß ferngehalten werden.
III.
Die wichtigste Bestätigung der bisherigen Ausführungen
ergiebt sich aus dem Verhältniß zwischen Rücktritt,
und Schadensersatz. Auf diesen Punkt ist deshalb im
Folgenden des Näheren einzugehen.
1) Es unterliegt zunächst keinem Zweifel, daß in einer
positiven Gesetzgebung beide Befugnisse dem Vertragstreuen
Theil nebeneinander gewährt werden können. Ein solches
Ergebmß darf zwar, wie unter 3 noch genauer zu zeigen ist,
m Ermangelung besonderer Bestimmungen nicht ohne weiteres
aus der Natur der Sache gefolgert werden. Dagegen enthält
die thatsächliche Anordnung desselben durch ausdrückliche Vor-
schrift nichts logisch und rechtlich Unmögliches in sich.
Hier ist dann der Gedanke maßgebend, daß die Vertrags-
verletzung eines Theiles eine doppelte Wirkung äußert, erstens
Auflösung des Vertrages bezw. Zulässigkeit des Rücktritts,
zweitens Verpflichtung zur Entschädigung des Gegners. Und
zwar besteht der zu ersetzende Schade gerade darin, daß in-
folge der Säumniß oder verschuldeten Unmöglichkeit das kon-
traktliche Derhältniß als Ganzes aufgehoben wird. Die Sache
liegt dann ähnlich wie in dem Falle, daß bei einem von vvrne-
herein nichtigen Vertrage die eine Partei der anderen auf
Schadloshaltung haftet. Nur ist in dem letzterwähnten Bei-
spiel das Interesse an der Nichttäuschung über die Gültigkeit
des Vertrages, in unserem Falle dagegen das Interesse an
seinem Fortbestand und an seiner Erfüllung zu vergüten.

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