Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Schadensersatz wegen Nichterfüllung bei gegenseit. Verträgen. 101
die eigene Gegenleistung bewirke. Denn dieselbe wäre ihm
auch dann nicht erspart worden, wenn der Schuldner seiner-
seits erfüllt hätte. Da nun eben nach allgemeinen Grund-
sätzen der Berechtigte den Schadensersatz nur unter den gleichen
Voraussetzungen beanspruchen kann, wie die ursprüngliche
Leistung selbst, so muß er sich folgerichtig denselben in unserem
Falle durch seinen Entgelt erkaufen.
Es wäre nun freilich der Versuch möglich, die eine oder andere
Behandlung des vom Gläubiger versprochenen Entgeltes dirskt
unter den Gesichtspunkt des Interesses zu bringen. Und zwar auf
Grund zweier — einander allerdings völlig entgegengesetzter —
Gedankenreihen, welche in der That beide ihre Vertreter gefunden
haben.
Zunächst könnte man behaupten wollen, die Schädigung
des Gläubigers beruhe gerade darin, daß er seine eigene, für
ihn vielleicht werthlose und unverwendbare, Gegenleistung be-
halten müsse. Er sei dadurch beeinträchtigt, daß er eine Ge-
legenheit zur Anbringung seiner Waare einbüße. So meint
unter Anderen Staub, 6. Aust. Anm. 24 S. 1279, der
„hierdurch, durch das Behalten der Waare oder anderweitige
Verwerthen der Waare erwachsene Schade sei ja gerade der
Schadensersatz wegen Nichterfüllung".
Allein, wenn wirklich das Intereffe des Gläubigers darauf
geht, daß er seines Entgeltes ledig werde, so hat er ja das
denkbar einfachste Mittel, um seinen Zweck zu erreichen. Er
braucht nämlich nur seinerseits den Vertrag gegenüber dem
Schuldner zu erfüllen. Es müßte demnach, sollte man meinen,
gerade der angeführte Gesichtspunkt die Gegner auf die
herrschende Ansicht zurücksühren. Denn gerade diese läßt ja
den Gläubiger, welcher Schadensersatz verlangt, auf die Gegen-
leistung haften. Freilich ist die letztere nach der richtigen Auf-
fassung als solche, d. h. unmittelbar kraft der übernommenen
Vertragspflicht geschuldet, nicht als ein Mittel zur Abwendung

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