Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 1 (1834))

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"kaut, aus welcher noch heute alle.Gesetzgebungen der ge-
sitteten Welt schöpfen.
Anders gestaltete sich die Nechtsbildung in England.
Dort haben die Präjudizien die Kraft gesetzlicher Sanktio«
nen, der Gerkchtsgebrauch die legislative Macht usurpirt;
ein, älter» Präjudizien cntgegenstchender neuer Gerichts»
gebrauch, ist.ipso jure nichtig; wie uns dieses Black-
stone in den Commentories on the Iinvs of Eng-
land. bitrod. §. 3. berichtet. Die Preußische Gesetzge-
bung betrat einen anderen Weg. Als Friedrichs II. Ge,
nius über den Geschicken Preußens waltete, war für die
praktische Rcchtspsiege in Deutschland eine unheimliche Zeit
eingebrochen. Die - neuen Formen französischer Bildung
und auch, französischer Willkühr, fanden in der altcrthüm,
lichett schwerfälligen deutschen Rechtspflege, oft Stoff zu
Spott und Tadel, oft peinliche Schranken. Eine Prozeß,
Gesetzgebung, feit. Jahrhunderten ruhend, ein buntes un-
zusammenhängendes Flickwexk, aus röniischen, kanonischen
und Reichsgesetzen; uncrleuchtct von der Wissenschaft, und
große Mißbräuche duldend; daher ein Prozeßgang der das
Vermögen und die Geduld erschöpfte. Zwar fehlte es nicht
au einzelnen, vortrefflichen Gelehrten und ausgezeichneten
praktischen Juristen, allein bei der Indolenz der Gesetzge-
bung, und dem Verschwinden alles wahren Gemeinsinnes,
und aller Thcilnahme an den großen Interessen des ge-
meinsamen Vaterlandes, vermogten sic nichts gegen den
geistlosen Schlendrian und die Schlaffheit, welche dem '
Egoismus der Rabulisten und der Trägheit der Richter
ein schrankenloses Feld rröffncten.
Das höhere nur aus tiefer wissenschaftlicher Bildung

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