Full text: Volume (Jg. 1 (1834))

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Ud) annchmen konnte, entweder daß noch gar kein gültiger
Vertrag z« Stande gekommen sey, oder wenigstens: daß
der Versprechende sich nicht der Gefahr, durch richterlichen
Zwang zur Erfüllung angehalten zu werden, habe aus«
setzen wollen.36) Es konnte hierbei auch nicht im Gering-
sten als Zeichen des Mißtrauens in die Redlichkeit des
andern angesehen werden, wenn man am Ende einer Der«
tragsverhandlung die solenne Frage stellte: Lponäes?
eben so wenig, als wenn wir einen Vertrag mit den ge«
wohnlichen Redensarten schließen: »Also es ist ein Wort?"
und ähnliche, oder wenn wir unS ein Versprechen nach
deutscher Sitte durch Handschlag bekräftigen lassen. Schrift«
liche Abfassung dagegen ist in vielen Fällen nicht ohne Be«
schwerde sofort mit der Abschließung des Vertrags zu ver«
binden, und häufig, namentlich wenn der Vertrag äugen«
blickliche Erfüllung von . der einen Seite erheischt, wo die
Mittel und die Zeit zu schriftlichem Vertrage fehlen, gar
nicht möglich; und diese Falle sind durch die gesetzlichen
Ansnahmm keineswegs hinreichend vorgesehen. Und auch
unter Umständen, unter denen die Form leicht zubeobach-
ten wäre, wird sie dennoch, wie eine fünfzigjährige Erfah-
rung gelehrt hat, in sehr vielen Fällen, besonders auf dem '
Lande, nicht beobachtet, und zwar oft gerade dann nicht.

36) Darin freilich war die Stipulation sehr beschränkend, daß
sie immer persönliche Gegenwart der Kontrahenten voraus»
' setzte, während schriftliche Verträge auch unter Abwesen-
den möglich sind, und namentlich nach allgem. Landrechte
§. 142. h. t. die geführte Korrespondenz die Stelle des
schriftlichen Vertrages vertritt.

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