Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 11 (1845))

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A. L. R. Thl. l. Tit. 11. §. 845: Verzugszinsen,
auf welche der Richter nicht erkannt hat, können
auch vom Tage des ergangenen Urtels an nicht
nachgcfordcrt werden, sobald über das Kapital
obne Vorbehalt quittirt worden.
§. 846: Ein Gleiches findet Statt, wenn vorbedun-
genc Zinsen zwar gefordert, aber vom Richter
übergangen worden und der Gläubiger sich bei dem
Erkeuntniffe beruhigt hat.
Z. 847: Hat aber der Gläubiger die vorbedungenen
Zinsen nicht mit eingeklagt, so können dieselben,
so lange noch nicht ohne Vorbehalt über das Ka-
pital quittirt ist, nachgefordert werden.
Man will nun aus dem letztem Paragraphen e
contrario, weil bier nur für die nicht eingeklagten
und übergangenen vorbedungenen Zinsen alle nachträg-
liche Klagbarkeit festgesetzt ist, folgern, daß für die
Verzugszinsen das Gegentheil gelte.
Diese Schlußfolgerung aus dem Gegentheil ist tu«
drß schon an und für sich nicht zu rechtfertigen, weil
Verzugs- und vertragsmäßige Zinsen sich nicht als Ge-
gensätze gegenüber stehen. Dieselbe widerspricht aber
auch dem unmittelbar folgenden §. 848:
„Hat der Richter geforderte Verzugszinsen im
Urtel übergangen, so hat dies eben die Wirkung, als
wenn er sie aberkannt hätte."
Man schließt nämlich per argumentum e con-
trario ganz richtig, wenn man geforderte Verzugszin-
sen den nicht geforderten Verzugszinsen entgegensetzt, und

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