Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 11 (1845))

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Durch dic fortschreitende Entwickelung des Römischen
Rechts aber wurde der noch übrig gebliebene Rest der
abstrakten Gegensätze von stipulationes und nuda
pacta, stricti juris obligationes „nd bonae fulei
negotia gänzlich beseitigt. Der formlose Zinsvcrtrag
(nudum pactum) ward nuvmebr konsequenter Weise
für eben so selbstständig und klagbar,erachtet, als frü-
her die förmliche stipulatio usurarum. Nach ge-
meinem Rechte müssen wir deshalb annehmen, daß die
vvrbcdungenen Zinsen auch nach dem Erkenntnisse über
die Hauptsache cingeklagt werden können.
Don Verzugszinsen behaupten die meisten Lehrer des
gemeinen Rechts das Gegenthcil.
Allerdings scheint sich das gemeine Recht nicht ganz
über den starren Gegensatz zwischen Haupt- und Neben-
sache erhoben zu haben. Denn, wenn auch mit vielen
Ausnahmen, wird doch im Allgemeinen noch als Regel
des gemeinen Rechts angenommen, daß mit der Haupt-
klage auch der Anspruch auf die Ncbcntbeile erlöscht.
Thibaut Syst. 8te Ausg. §. 177. K. I.
Wenden wir uns nun zu unserer Gesetzgebung.
Das A. L. R- hat bekanntlich im Allgemeinen jene
durch das spitzfindige Römische Formelwesen erzeugte
Unselbstständigkeit der sog. Nebentheile aufgehoben.
Nach der Meinung unserer Gesetzrevisoren soll die-
ser Grundsatz ausnahmsweise für die Verzugszinsen gel-
tend geblieben sein.
Die Gcsetzstcllen, auf welche diese Ansicht gestützt
wird, lauten:

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