Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Berschuldensaufrechnung, Gefährdungsaufrechnung rc. 95
gerechtfertigt werden, und drittens ist das Gegenteil zwingende
logische und praktische Notwendigkeit. Mit dem Gegensatz
kausal oder nicht kausal ist es nicht getan, es gibt noch
einen zweiten, selbständig kausal und unselbständig
kausal. Um ihn handelt es sich hier.
Es fragt sich nur, welche von den beiden Kausalbewegungen
am energischsten die Eigenbewegung des Deliktsunfähigen als
Bestandteil in sich ausgenommen hat, welche Bestandteileigenschaft
überwiegt. Hierfür kann das Verursachen niemals maßgebend
sein und die Entscheidung muß sich auch hier wie in § 254
aus zwingenden logischen und praktischen Gründen nach dem
Verschulden richten. Wer das schwerere Verschulden auf sich
geladen hat, hat sich auch der Eigenbewegung des Delikts-
unfähigen am rücksichtslosesten bemächtigt und ihm ist daher
die Eigenbewegung des Deliktsunfähigen zuzurechnen. Dies
bedeutet für die reine Kausalhaftung, daß Verschulden des
deliktsfähigen Aufsichtssührers die Kausalhaftung ganz ausschließt.
Wenn der eine der beiden Schädiger ganz ohne Verschulden,
der andere jedoch in Verschulden ist, so hat der Zweite zwar
nicht die Alleinherrschaft über die Eigenbewegung des Deliktsun-
fähigen an sich gerissen, wohl aber durch sein Verschulden ihr die
Eigenschaft als Bestandteil seiner Kausalbewegung derart aufge-
drückt, daß daneben die schuldlose Verursachung des anderen Teiles
verschwindet. Ich halte es daher hier wie bei verschuldeter Selbst-
beschädigung des Verletzten für richtig, daß z. B. auf Grund § 1
HaftpflG. jede Haftung der Bahn ausgeschlossen würde. Früher
geschah dies bei verschuldeter Selbstbeschädigung, seitdem aber die
Praxis (mit Recht) § 254 für anwendbar erklärt hat, wird
der Bahn häufig auch dort eine Haftung auferlegt, wo sie
nicht gerechtfertigt ist. Es ist dem RG. grundsätzlich beizu-
stimmen, daß § 254 zur Anwendung zu kommen hat, aber es
wird von § 254 ein zu weitgehender Gebrauch gemacht (RGZ.

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