Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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PaulKrückmann,

Selbstmordversuch sich nur eine schwere Verletzung zugefügt
hätte, die ihn erwerbsunfähig machte. Seiner Klage würde
entgegengehalten: Das hast Du dir allein zugezogen.
Was liegt darin? Wir verneinendenursächlichen
Zusammenhang, obgleich er (nach der Bedingungs-
theorie, Adäquitätstheorie, Köhlers und meiner Theorie)
sicher vorliegt. Der Täter hat in seine Berechnung richtig
alle Fremdbewegungen an der richtigen Stelle.und in der
richtigen Größe eingestellt, sie haben stattgefunden und haben
funktioniert, am ursächlichen Zusammenhang und am Verschulden
fehlt nichts, und doch dies zweifellose Ergebnis.
Obgleich der Selbstmörder unter unwiderstehlichem psycho-
logischen Zwang gehandelt hat, verneinen wir die Ver-
ursachung seines Peinigers, weil der Selbstmörder vorsätzlich
eine Eigenbewegung setzte, die er nicht zu setzen brauchte. In
Wirklichkeit ist dies keine Begründung, denn die Handlung des
Selbstmörders wird dadurch nicht aus einem unselbständigen
Bestandteil in der von dem Mörder gesetzten Kausalkette zu
einer selbständigen Handlung, mag sie auch immer als selb-
ständige Eigenbewegung anerkannt werden. Dies letztere kann
deshalb nicht entscheiden, weit sonst in unzähligen Fällen, wo
die Nichtunterbrechung der Kausalbewegung zweifellos ist, eine
Unterbrechung angenommen werden müßte, z. B. A überredet
den ahnungslosen B an die Stelle des Parkes zu gehen, wo
die Selbstschüsse liegen. Hier ist die Handlung des B zweifel-
los selbständige Eigenbewegung und doch unselbständiger Be-
standteil in der von A in Ablauf gesetzten Kausalkette.
Mit welchen logischen Gründen läßt sich also rechtfertigen,
daß die Tat des Selbstmörders als Unterbrechung der Kausal-
bewegung angesehen wird? Gar nicht, die Gründe
liegen anderswo als in der reinen Logik.
Darum ist es auch so schwer, folgenden Fall, den Liep-

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