Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Verschuldensaufrechnung, Gefährdungsaufrechnung rc. 73
herrschbarkeit und Beherrschung entfällt. Dummheit des Be-
schädigten oder seiner Angehörigen oder seiner Umgebung ist
kein Titel für die Haftung des Täters, weder nach Verschulden
noch nach Kausalität.
Bergl. auch die sonst angeführten Fälle: Die Kranken-
pflegerin legt einen unsauberen Verband an. Ein Dritter
bringt dem Verletzten Gift bei, das der geschwächte Orga-
nismus ausnahmsweise nicht verwinden kann. Liepmann,
GoltdArch. 52 S. 334, 335.
Oder A verwundet das Pferd des B leicht, dieses stirbt,
weil der behandelnde Tierarzt Tötungsvorsatz faßt und Gift in
die Wunde gießt.
A hat die Uhr des B beschädigt, der Uhrmacher, dem sie
zur Ausbesserung gegeben wird, ärgert sich über B und wirft
sie an die Wand; nach Beispielen von v. Liszt, Deliktsobliga-
tionen S. 78ff., Rümelin, ArchZivPrax.; 90, 262, der aber
S. 266 atypischen Erfolg und Störung der Ersolgsbewegung
verwechselt.
Ferner gehört hierher der von Rumpf IheringsI. 49, 350
behandelte Fall: A verwundet den B tödlich (oder nicht tödlich
P. K.), auf dem Wege zum Arzt wird B von einem herab-
fallenden Dachziegel erschlagen.
Dieser letzte Fall ist die bequemste Grundlage für eine
Erörterung und sei deshalb ihr Ausgangspunkt, da er zugleich
lehrt, daß die sogenannte Unterbrechung des Kausalzusammen-
hanges nur ein Unterfall der Erfolgsstörung ist.
Man vergleiche mit ihm den anderen: Der von A tödlich
verwundete B wird von C, der durch die Tat des A nicht be-
einflußt ist, mit sofortiger Wirkung tödlich verwundet, und
zwar würde die zweite Wunde auch ohne die erste tödlich sein.
Die Frage ist: Soll das Dazwischentreten des zweiten
Täters den ersten entlasten oder nicht? Andererseits: Soll

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