Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Das Wesen der rechtswirksamen Willenserklärung.

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Die Seele des Menschen hat keine Existenz ohne seinen Leib,
wogegen der durch eine Handlung betätigte Wille dieser
vorhergeht. Und seine „Verkörperung" bedeutet bezüglich der
Worte etwas anderes als bezüglich der Werke. Für beide
ist der Wille, durch dessen Betätigung sie entstanden sind,
eine Ursache ihrer Existenz. Aber wir nennen sie nicht
schon deshalb dessen Verkörperung. Als ein ihnen vorher-
gehender existiert er für das Bewußtsein seines Subjektes,
und sie sind keine Verkörperung des Willens, dessen der
Handelnde sich bewußt war, wenn sie anders ausfallen, als er
erwartet hatte. Wenn aber das Werk als ein vermöge der
zweckmäßigen Tätigkeit seines Urhebers dessen Erwartung gemäß
ausgefallenes eine Verkörperung seines Willens im Sinne der
Realisierung des von ihm Gewollten ist, so bewirkt die Ver-
körperung seines Willens durch Worte dessen Existenz für andere
nicht als eines durch ihn realisierten, sondern teils als eines
solchen, dessen Realisierung durch ihn sie erwarten dürfen oder
zu erwarten haben, teils als eines solchen, den sie realisieren
dürfen oder zu realisieren haben. Mit der Bezeichnung des
Willens als eines durch Wort oder Werk verkörperten wechselt
bei Brinz ab dessen Bezeichnung als eines dadurch aus-
gedrückten. Diese Bezeichnung paßt aber nur auf das Wort.
Die Realisierung des Willens ist einesteils mehr als ein
bloßer Ausdruck desselben, und anderenteils nicht notwendig ein
solcher. Und wenn das Werk eine Verkörperung des betätigten
Willens nur als ein ihm gemäß ausgefallenes ist, so kann das
Wort ein Ausdruck sowohl eines Willens sein, den sein Ur-
heber ausdrücken wollte, ohne ihn zu haben, als auch eines
solchen, den er nicht einmal ausdrücken wollte. Es ist also
keineswegs immer eine „Offenbarung unseres Inneren". Daß
nie gleich dem Worte das Werk für sich eine Willenserklärung
ist, bemerkt Brinz selbst, wenn er sagt, es sei „außer dem

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