Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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Paul Krückmanu,

schlafen und wird er von dem ersten und einzigen Blitzschläge
eines Gewitters getroffen, so kann man schon viel eher davon
reden, daß er eine bloße Bedingung für seine Verletzung ge-
setzt habe. Grund: Im ersten Fall ist teleologische Beherr-
schung möglich, im zweiten nicht. Diese Ausstellungen an
Köhlers Theorie treffen aber nicht in demselben Maße auf
seine Darstellung im Lehrbuch II § 173 III zu. So wie
hier das Prinzip formuliert ist und die Beispiele gewählt sind,
kann bis auf den bloßen Ausdruck „Bedingung" eine völlige
Uebereinftimmung zwischen uns behauptet werden. Nach dem
Grundsatz dominus causae est causa causae: „ich habe
die Ursache nicht erregt, aber ich habe sie für
meinen Zweck benutzt" (S. 473 a. a. O.), bildet Köhler
folgende Beispiele: „Ich veranlasse jemand, sich an einen Ort
zu begeben, wo Selbstgeschosse liegen, oder auf einen Berg,
der durch Lawinen gefährdet ist, oder in ein Haus, von dem
ich weiß, daß es in der nächsten Stunde durch eine Explosion
in die Luft fliegt; oder wenn ich einen Dienstboten auf eine
Leiter steigen lasse, von der ich wissen sollte, daß sie nach Lage
der Sache durch einen Stoß gefährdet werden kann (SeuffArch.
57 Nr. 171), oder wenn ich ein Gebäude morsch werden lasse
und es dann durch eine Erschütterung von außen zusammen-
stürzt" (SeuffArch. 57 Nr. 62). Köhler betrachtet dies als
Bedingung setzen, die eine Ursache auslöst. Ich kürze die Be-
trachtungsweise ab und schalte den Bedingungsbegriff aus.
Nach meiner Betrachtung wird die ursächliche Bewegung
gesetzt, mit ihr beherrsche ich andere, unabhängig von ihr ent-
standene Fremdbewegungen teleologisch nicht anders, als ob sie
in Abhängigkeit von meiner ursächlichen Bewegung entstanden
wären. Trotz dieser Verschiedenheit sind wir in der Haupt-
sache einig: Der Begriff der Beherrschung ist für uns die
Grundlage aller Kausalität.

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