Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Von Wesen und Begriff des Rechts.

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wiederum an der Zeit. In uns selbst sieht es nicht anders
aus. Die Stärke unserer Empfindung, wir haben kein anderes
Maß für sie, als die Empfindung, die eben war. So
lehrt es das Webersche Gesetz. Relativität ist der Weis-
heit Schluß aller kritischen Philosophie. Und wir gelangen
mit unserer Wissenschaft nur zu dem heutigen Standpunkte der
Wissenschaften überhaupt, wenn wir auch für sie die Bedeutung
dieser Tatsache erkennen, auch in ihr das Relative methodisch
respektieren.
Würde mir aber jemand einwenden, daß ich mit meinem
Vertrauen auf die menschliche Natur unrecht habe, daß ich
daher auf unsicheren Boden baue, und daß wir eines festeren
Grundes und eines zuverlässigeren Ankers bedürften, so könnte
ich ihm nur erwidern, daß er mich damit verfehlt, weil er mich
an einer Stelle sucht, wo ich gar nicht bin. Auch ein einiger,
lebendiger, persönlicher Gott, ich wüßte nicht, was ihn hindern
sollte, das, was er im Reiche der Geister schaffen will, dadurch
zu schaffen, daß er aus die Seele der Menschen und durch sie
wirkt. Ja, unserem Verständnis wäre ganz unfaßbar, wie er es
machte, wenn nicht so. In die Tiefen aber zu steigen, woher
jenes kommt, ist meine Absicht nicht. Ich bin nur ein Stück
des Weges gegangen, woher es kommen muß, just bis zu der
Stelle, bis wohin — soviel ich sehe — Erkenntnis ihrer Natur
und ihrem Wesen nach uns zu bringen vermag, und worüber
hinaus mit Denken und Wissen allein nicht zu gelangen ist.
Und so hatte Protagoras so nnrecht nicht:
Das Maß aller Dinge ist für den Menschen der Mensch.
IX.
Ich bin am Ende. Von einer Anwendung der gewonnenen
Ergebnisse auf die Lehre von der Gesetzesauslegung und Recht-
27*

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