Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Verschuldensaufrechnung, Gefährdungsaufrechnung rc. 35
ein früheres Kavalleriepferd zum Reiten, übende Reiterei kommt
in seine Nähe, es macht alle Uebungen gegen den Willen des
Sonntagsreiters mit, und B kommt zu Schaden.
In allen diesen Fällen kombinieren sich immer eine Eigen-
bewegung u und einige davon an sich unabhängige Fremd-
bewegungen. Formelhaft würde dies etwa so lauten: Die
Bewegung u wird hervorgerufen, geschaffen, gesetzt, oder wie
man sich sonst ausdrücken mag (hier soll der Ausdruck setzen
gebraucht werden). Unabhängig von u wird die Fremd-
bewegung a oder werden die Fremdbewegungen a, b, c, d
gesetzt, sei es durch Menschenhand, sei es durch bloßes Wirken
der Natur. Gleichgültig ist es, ob die Bewegungen a, b, c, d
schon gesetzt waren, begonnen hatten, als u gesetzt wurde, oder
ob sie erst später gesetzt worden sind^).
Trotzdem kann nur dann Verursachen vorliegen, wenn die
Fremdbewegungen wie unter 1) von der Eigenbewegung u
beherrscht werden, wenn sie als Mittelglieder erscheinen, die
zu dem Erfolge e führen. In Wirklichkeit läuft alles aus
denselben Gesichtspunkt hinaus, der schon unter 1) benutzt
worden ist. Ich kann eine Fremdbewegung beherrschen, indem
ich sie Hervorrufe, so daß sie notwendige Folge meiner Eigen-
bewegung u ist; ich kann die unabhängig von meiner Elgen-
bewegung entstandene oder künftig entstehende Fremdbewegung
a beherrschen, ohne daß ich sie Hervorrufe. Ich kann mich im

i> Diesen Fall bezeichnet Köhler, GoltdArch. 51, 328 als den
Fall der sogenannten rationellen Urheberschaft. Köhler braucht auch den
Ausdruck dominus caus«e. Aus dem Text wird sich noch ergeben, daß im
Grunde Köhler und ich denselben Gedanken auf dieselbe Formel bringen.
Der Ausdruck rationelle Urheberschaft, den Köhler nötigenfalls preis--
zugeben bereit ist, ist richtiger als sein anderer Ausdruck, daß der Täter
„die Bedingung (von Köhler im Gegensatz zur Ursache gemeint) gesetzt
und durch diese Bedingungssetzung die Konstellation herbeigeführt hat, kraft
deren die Ursache wirken und das Objekt treffen konnte".

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer