Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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E. Brodmann,

sind kommensurabel. Alles, was ist, steht vor dem Richterftuhl
der Vernunft, wird von ihr gewogen und gebilligt oder ver-
worfen. Es ist der universale Logizismus, wie E. v. H a r t m a n n
es nennt, der schlechthin alles durchdringt. Alles, was zur
Existenz gelangt, trägt seine Idee in sich, und menschlicher Er-
kenntnis liegt es ob, sie zu finden. Sie ist, wie die Wahrheit
selbst, nichts subjektiv Gemachtes, sondern objektiv Gegebenes,
sie wird nicht geschaffen, sondern gesucht und-gefunden. Sie
ist es denn auch, nach welcher in Gemäßheit objektiver Er-
kenntnis der Inhalt der Rechtsnormen zu gestalten ist, welchen
Menschenhand nach subjektiver Willensentscheidung die Form
des Machtgebotes hinzufügt.
Ich weiß sehr wohl, daß man damit ein Problem noch nicht
löst, daß man es einer anderen Wissenschaft zuschiebt. Denn
das tun wir allerdings. Wie will man das Leben und seine
Gestalten anders verstehen, als eben durch die Wissenschaften
vom Leben, Biologie und Soziologie, Wirtschaft und Ethik,
Geschichte und Anthropologie, Theologie schließllch und Meta-
physik. Aber doch halte ich es für keinen kleinen Gewinn,
wenn es gelingt, die Fragen des Lebens in methodischer Folge-
richtigkeit an die einzelnen Zweige der wissenschaftlichen Forschung
zutreffend zu verteilen. Ich halte es für keinen kleinen Gewinn
gezeigt zu haben, wie allen jenen sublimen Begriffsbestimmungen
vom Recht im Grunde die Aufgabe vorgeschwebt hat, das
Leben selbst und seinen Zweck zu deuten, eine an sich unermeßlich
schwierige Aufgabe, die man sich obendrein erschwerte, indem
man mit der Beschränkung der Frage auf das engere Rechts-
gebiet einen Gedanken hineintrug, der auf dem hohen Stand-
punkt der Betrachtung, den die Aufgabe erforderte, füglich ver-
schwindet und daher, feftgehalten, nur störend wirkt.
Aber mehr noch. Ich glaube auch sachlich aus meiner
Auffassung Gewinn ziehen zu können.

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