Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Von Wesen und Begriff des Rechts.

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„Blast die Trompeten" des Urteil: wenn A, B, C re., welche
es gelernt haben, die Trompete an den Mund setzen und in
der erforderlichen Art die Luft Hindurchpressen, dann ertönt die
bestimmte Weise. Ist hier die Ueberlegung kurz, so wird sie
dort gründlich sein müssen und oft Schwierigkeiten bereiten.
Aber kurz wie hier ist auch dort der Befehl, auf den die Sache
hinausläuft und den wie hier der Oberst vielleicht nur mit
einem Wink der Hand, so dort die Persönlichkeit, als deren
Willen das objektive Recht aufzufassen ist, durch die dazu be-
stimmten Organe erteilt: Du, D, zahle an die klagende Gesell-
schaft 45000 M. nebst 5 Proz. Zinsen seit Erhebung der
Klage, sowie die Kosten des Prozesses. Die Persönlichkeit aber,
als deren Willen das objektive Recht aufzufassen ist, nennen
wir Staat, worauf im folgenden noch einzugehen fein wird.
Es ist nun aber für unsere Frage ein nebensächlicher und
zufälliger Umstand, daß der Befehl des objektiven Rechts sich
in diesem Falle in Gestalt eines Gerichtsurteils kleidet. Die
Sachlage ist dieselbe in den sehr viel häufigeren Fällen, wo
das objektive Recht mit seinen Befehlen funktioniert, ohne daß
es zum Prozeß kommt. So wird gewiß ein Schuldner, der
sich einen Anzug gekauft hat und nun den Schneider bezahlt,
obwohl er das Geld viel lieber zu einem anderen Zwecke ver-
wendet hätte, oft nicht aus sittlichen Motiven handeln. Und
wenn in verwickelteren Fällen der Schuldner sich selbst ge-
nügende Rechtskenntnis beimißt, oder wenn er nach einer wenig
tröstlichen Auskunft seines Anwalts zahlt, so hat er sich eben
den Inhalt des Imperativs des objektiven Rechts, der ihn an-
gehl, zum Bewußtsein gebracht. Er tut nur, was ihm das
geltende — ach, und wie unerbittlich geltende — Recht be-
fiehlt, was es ihm befiehlt in diesem Moment und unbedingt.
Denn handelt er überhaupt auf Befehl, so ist auch das Wie
und Was und Wieviel seines Tuns ein Befolgen des so und

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