Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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W. von Blume,

Hiernach ist der Schadensersatzanspruch in den Fällen der
§§ 326, 463 rc. dem Rücktritts- und dem Wandlungsrecht in-
sofern verwandt, als beide Rechte sich auf die Enttäuschung
gründen, die der Gläubiger erlitten hat und in dem einem wie
in dem anderen Falle der Gläubiger erklärt, er verzichte auf
die Erfüllung. So oder so wird durch die Erklärung des
Gläubigers der Rechtszustand geändert, ganz oder teilweise.
Ja, nach der Differenztheorie würde, im Grunde genommen,
die Geltendmachung des Schadensersatzanspruches ein Rücktritt
unter Vorbehalt des Anspruches auf die Differenz sein*). So
konnte denn auch unbedenklich in § 467 der Schadensersatzanspruch
aus § 463 unter die gleiche Verjährung gestellt werden wie der
Wandlungsanspruch. Vor allem aber erklärt sich so, warum die
Geltendmachung des Schadensersatzanspruches nach § 463 den
Wandlungsanspruch ausschließt und umgekehrt: beide Ansprüche
verfolgen dasselbe Ziel mit verschiedenen Mitteln. Es handelt
sich auch bei der Haftung aus § 463 um Gewähr-
schaft, obzwar um qualifizierte Gewährschaft?).
Was für den Anspruch aus § 463 gilt, gilt entsprechend
für den Anspruch aus § 480 Abs. 2. Zwar kann der Käufer
einer gattungsmäßig bestimmten Sacke sich möglicherweise auf
den Standpunkt stellen, daß der Verkäufer durch die Lieferung
der mangelhaften Sache überhaupt nicht erfüllt habe. Aber
das Gesetz gibt ihm auch die Gewährschaftsrechte, das heißt,
es gestattet ihm, die Sachlage so zu behandeln, als wenn mit
dem Uebergange der Gefahr der Gattungskauf in einen Sonder-
sachkauf sich verwandelt habe. Damit erhält dann auch der
Verkäufer den Anspruch auf Schadensersatz wegen Nicht-
der Lieferung einer fehlerfreien Sache Schadensersatz wegen Nichterfüllung
fordern, wenn die gelieferte Sache mangelhaft war.
0 Kisch in JheringsJ. 44, i06 fg.
2) Derselben Ansicht Schollmeyer in JheringsJ. 49, 93fg., und
A. S. Schnitze, a. a. O. S. 149.

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