Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Der Schadensersatzanspruch des Käufers rc.

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punkte unseres Rechtes aus gesehen, die Rechtfertigung der
Gewährschaft liegt.
Um das Gewährschaftsrecht richtig zu verstehen, wird man
zweckmäßig davon absehen, daß das Gesetzbuch das Wand-
lungsrecht zu einem Wandlungsanspruch ausgestaltet hat. Man
wird auch den Schadensersatzanspruch des § 463 zunächst bei-
seite zu lassen haben. Andererseits darf man sich nicht auf
das Kaufrecht beschränken, sondern muß Miete und Werkvertrag
heranziehen. So kommt man, vom Besonderen zum All-
gemeinen zurückgehend, auf den Satz: Wer durch gegenseitigen
Vertrag eine Sache zu Eigentum oder Nutzung erworben hat,
kann den Vertrag wieder lösen, wenn die Sache „zu dem ge-
wöhnlichen oder nach dem Vertrage vorausgesetzten Gebrauch"
untauglich ist. Faßt man diesen Satz ins Auge, so fällt so-
fort die Verwandtschaft mit § 119 Abs. 2 ins Auge: wer
einen Vertrag über eine Sache schließt und dabei über eine
wesentliche Eigenschaft der Sache irrt, ist nicht an den Vertrag
gebunden.
Die Verwandtschaft zwischen Gewährschasts- und Irrtums-
recht ist schon häufig bemerkt worden; galt es doch feftzu-
stellen, inwieweit etwa das eine das andere ausschließt. Die
Erkenntnis dieser Verwandtschaft dient aber auch zur Auf-
hellung des Wesens der Gewährschaft. Schon bei Wind-
scheid findet sich ein ähnlicher Gedankex). Er reiht das
ädilizische Gewährschaftsrecht unter diejenigen Rechtssätze ein,
in denen die Kategorie der „Voraussetzung" sich betätigt. In-
wieweit dies für das römische Recht haltbar ist, mag dahin-
gestellt bleiben; jedenfalls treffen die dagegen von Crome?),
vorgebrachten Einwände nicht den Kern der Frage. Für unser
1) Die Voraussetzung S. 73.
2) ZivArch. 78, 130. Bergl. dagegen Krahmer, a. a. O. S. 110.

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