Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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W. von Blume,

Handelt es sich hier um Gewährleistungsansprüche? Die
Ansichten darüber gehen sehr auseinander *). Will man die
Frage mit Sicherheit beantworten, so ist ein Eingehen auf den
Rechtsgrund des Gewährschaftsrechts unvermeidlich. Man kann
nicht wissen, wie weit die Gewährleistungspflicht des Verkäufers
gebt, wenn man nicht weiß, warum sie besteht. An Unter-
suchungen darüber fehlt es aber nahezu völlig. Ehedem be-
herrschten die Erörterungen über die Konstruktion des Wand-
lungsanspruchs durchaus die Literatur des Gewährschaftsrechtes.
In neuerer Zeit hat man, inbesondere dank den Untersuchungen
von Schollmeyer und Krückmann, gesehen, daß auf
diesem Gebiete schwierigere und wichtigere Aufgaben zu lösen sind.
Aber die grundlegende Frage nach dem Rechtsgrunde des Ge-
währschaftsrechtes ist noch nicht überzeugend beantwortet worden.
Auch im folgenden soll nicht eine nach allen Richtungen
hin gesicherte Antwort erteilt werden. Das würde einen weit
größeren Rahmen erfordern und von der Aufgabe, die dieser
Untersuchung gestellt ist, weit abführen. Aber es muß doch
der Versuch gemacht werden, eine Antwort zu skizzieren, um
von der damit gewonnenen Grundlage aus das Gewährschasts-
recht übersehen und abgrenzen zu können.
Daß es nicht genügen kann, festzustellen, die Gewährschast
ergebe sich „ex leZe" oder sei eine „gesetzliche Garantiehaftung"
dürfte unbestreitbar sein. Es ist aber auch, wie schon Krah-
mer?) richtig bemerkt hat, nach dieser Richtung wenig ge-
wonnen, wenn man erkennt, wie die ädiliztsche Haftung sich
entwickelt hat. Denn es bleibt immer noch zweifelhaft, worin
die Römer die Rechtfertigung ihres Vorgehens sahen, und es
bleibt die für uns entscheidende Frage, worin, vom Stand-
1) Bergl. Schollmeyer in JheringsJ. 49, 53fg. und Krück-
mann, Unmöglichkeit und Unmöglichkeitsprozeß, ZivArch. 101, 207 fg.
2) H. Krahmer, Gegenseitige Berträge S. HO fg.

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