Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Verschuldensaufrechuung, Gefährdungsaufrechnung rc.

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ist beizustimmeiE), Näher auf die Anwendbarkeit des § 254 II
eingehend, erörtert er, ob nicht die Mutter als gesetzliche Ver-
treterin oder Hilfsperson verpflichtet gewesen sei, den von der
Eisenbahn etwa schon ursächlich gesetzten Schaden möglichst zu
mindern. „Allein es handelt sich nicht um ein Verschulden
der Mutter in bezug aus die Abwendung des ursächlich bereits
gesetzten Schadens, sondern um ein mitwirkendes Verschulden
hinsichtlich der Verursachung des Unfalles und des daraus ent-
standenen Schadens selbst. Als gesetzlicher Vertreter des Kindes
würde im übrigen die Mutter im gegebenen Falle nicht an-
zusehen sein, da die im inneren Verhältnisse zu dem Kinde
nach ß 1634 ihr obliegende Sorge für die Person des Kindes
ein nach außen wirkendes Vertretungsverhältnis nicht begründet.
Ob sie als eine für die Diligenztätigkeit der erörterten Art
tätige Hilfsperson zu erachten wäre, kann dahingestellt bleiben."
An sich richtig, aber wie würde das RG. entscheiden,
wenn das Kind schon in dem fahrkartenpflichtigen Alter wäre,
die Mutter für ihr Kind eine Karte gelöst hätte und nun die
Mutter es an der Obhut hätte fehlen lassen? Dann war doch
folgendermaßen zu schließen: Das Kind war Vertragspartei,
hatte die übliche Schuldner- oder Gläubigerpflicht, sich vor
Schaden zu bewahren. Diese Pflicht selber zu erfüllen, war
es außerstande, aber selbstverständlich ist es, daß für diese
Pflicht im Sinne eines nach Treu und Glauben auszulegenden
Vertrages die Mutter Hilfsperson war und daß für ihr Ver-
schulden die Vertragspartei einzustehen hatte. Es kann doch
nicht gut bezweifelt werden, daß die Eisenbahn Kinder in Be-
gleitung Erwachsener anders behandelt als unbegleitete Kinder.
Für unbegleitete Kinder übernimmt sie ohne weiteres besondere
i) Bergl. dagegen Schröder, ArchCivPrax. 92, 298 ff. Nicht
zwingend und nach der einmal eingeschlagenen Richtung des RG. auch
aussichtslos. Siehe unten X.

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