Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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Paul Krückmann,

positiven juristischen Eingriffs eine neue Kausalbewegung beginnt,
die immer selbständige Kausalbewegung ist und daneben auch, je
nach den Umständen, zugleich als unselbständiger Bestandteil
fremder Kausalbewegung in Betracht kommen kann, um auch die
Haftung eines zweiten Tierhalters juristisch zu rechtfertigen. Im
vorliegenden Fall haften in der Tat beide als Gesamtschuldner, der
Tierhalter des Jagdhundes hat Rückgriff gegen den Tierhalter des
Schlachterhundes. Ist der Scklachterhund wirklich'bösartig, so
haftet der Schlachter im Rückgriffswege dem Halter des Jagd-
hundes auf das Ganze, wert Verschulden des Schlachters vorliegt.
Gleich mit diesem Fall liegt der andere OLG. 9, 44 (ö).
Aus dem Garten springt ein kleiner bellender Teckel heraus,
macht das Pferd scheu, dieses springt zur Seite und eine Rad-
lerin wird verletzt. Das OLG. Hamburg verneint den Zu-
sammenhang zwischen der Kausalbewegung des Hundes und
der Verletzung der Radfahrerin, weil 1) die Kausalkette an sich
schon ziemlich lang sei (unrichtig und jedenfalls bedeutungslos,
wenn man zum Vergleiche den anderen Fall heranzieht, daß
das Pferd böslich durch dritte Personen zum Scheuen gebracht
wird, P. K.), 2) das Anbellen zu einem im Vergleich zum
Scheuen unwichtigen Umstande herabsinke, da das Angebellt-
werden in der Großstadt für das Pferd ein alltägliches Er-
eignis sei (das Umgekehrte ist wahr, Landhunde bellen Fuhr-
werke mehr an als Großstadthunde, denen Fuhrwerke häufiger
begegnen. Dies lehrt jeder Gang durch Stadt und Dorf.
Ferner, die sogenannte Unwichtigfeit des Anbellens schließt den
ursächlichen Zusammenhang nicht aus, P. K.); 3) der Wagen-
führer in Verschulden gewesen sei, da er die Pferde nicht fest
genug im Zügel gehabt habe (hierdurch wird nur bewiesen,
daß der Wagenführer, ein Geselle des Tierhalters, sich gegen
die Pflicht, den Kausalzusammenhang zu unterbrechen,
verfehlt hat und selber haftbar ist, nicht aber, daß der Kausal-

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