Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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Paul Krüctmann,

Beherrschen gefordert, sondern nur ein Beherrschen in dem
Sinne, daß eine auf die Beherrschung gerichtete konkrete Willens-
regung des Verursachenden nickt gefordert wird. Es handelt
sich ja nicht um eine Verknüpfung der verschiedenen Bewegungen
durch den Willen des Verursachenden, sondern um eine
Verknüpfung in der Vorstellung des Betrachters.
Der Betrachter aber fordert den verknüpfenden Willen des
Verursachenden nur dann, wenn zu dem ursächlichen Zusammen-
hang eben auch ausnahmsweise der verknüpfende Wille des
Verursachenden hinzukommen soll, um nämlich den Tatbestand
einer vorsätzlichen Verursachung herzustellen.
Dieselbe Schlußfolge ergibt sich, wenn wir untersuchen,
ob zum Kausalzusammenhang auch Erkenntnis des Verursachenden
von der Kausalität gefordert werden muß. Denn abermals
muß gesagt werden, daß nicht das Wissen und Denken des
Handelnden den Zusammenhang herstellt, sondern die Vor-
stellung des Betrachters. Dies trifft auch dann zu, wenn die
fahrlässige Verursachung nur einem ganz bestimmten Menschen
möglich ist, weil dieser sich im Besitz besonderer Fachkenntnisse
befindet, die den übrigen Menschen vorenthalten sind. Wegen
seines Wissens beherrscht er die Kausalbewegungen, diese Be-
herrschung ist aber unabhängig davon, ob er in concreto von
seinem Wissen Gebrauch macht. Wer die jederzeitige intellektuelle
Beherrschungsmöglichkeit hat, beherrscht, und das fahrlässige
Verursachen besteht in einer fahrlässigen Ausübung der Be-
herrschungsmöglichkeit. Es ist nicht nötig, daß die konkrete
Eigenbewegung, die den Beginn der Kausalbewegung setzt,
getragen wird von dem dem Verursacher gegenwärtigen, be-
wußten Wissen, es genügt das jederzeit für ihn gegenwärtig
zu machende, beliebig reproduzierbare Wissen. Es wird nicht
gefordert, daß dem Verursacher in eonerew der Inhalt seines
Wissens gegenwärtig sei, es genügt, daß er in abstracto das

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