Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

Berschuldensaufrechnung, Gefährdungsaufrechnung rc.

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Fällen, so ergibt sich denn doch ein Unterschied, das eine Mal
liegt unbeherrschte, das andere Mal beherrschte Kausalbewegung
vor, denn wir werden es z. B. doch nicht als Zufall betrachten,
daß ein Herzkranker Mensch, der von einem ihm unbekannten
Hunde angebellt wird, vor Schreck stirbt, wenn er nicht weiß
und nicht wissen kann, daß der so gefährlich sich geberdende
Hund in Wirklichkeit ein harmloses Tier ist.
Aus Vorstehendem folgt abermals, daß die Scheidung
zwischen Bedingung und Ursache doch nicht ohne Grund ist,
und es wäre ja auch merkwürdig, wenn eine so naturwüchsige,
sich immer wieder von selber ausdrängende Scheidung unrichtig
sein sollte. Man muß nur richtigen Gebrauch von ihr machen,
indem man immer zutreffend entscheidet, wann nur eine Be-
dingung vorliegt. Die Richtigkeit dieser Feststellung in con-
creto vorausgesetzt, kann man sagen: Grundsätzlich wird
nur gehaftet für schuldhaftes Verursachen, sel-
tener (8 833 BGB., § 1 HaftpflG.) für schuldloses
Verursachen, noch seltener für schuldhaftes Be-
dingungsetzen (88 287, 848 BGB.) am seltensten
für schuldloses Bedingungsetzen (8 456 HGB.,
§701 BGB.). Tatbestände 8ui Zeneris sind die Tatbestände
der Strafhaftung.
Selbstverständlich ist möglich, daß dieselbe Gesetzesbestim-
mung die verschiedenen Haftungsarten zugleich anordnen kann,
z. B. in 8 463 S. 2: Strafhaftung und Haftung wegen
schuldhaften Derursachens.
7. Einengung der Kausalbewegung.
Oben (S. 95) wurde gesagt, daß die Verursachung der
deliktsunfähigen, soweit es sich um Deliktsrecht handelt, nicht
einfach ausgeschaltet werden könnte, daß der Gegensatz nicht
wäre Verursachung und Nichtverursachung, sondern selbständige
Verursachung und unselbständige Verursachung. Aber selbst diese

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