Full text: Volume (Bd. 55 = 2.F. 19 (1909))

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PaulKrückmann,

Wann ist die Erfolgsstörung berechtigt? Hierfür wird
stch wohl schwer eine allgemeine Formel finden laffen. Etwas
genauer ist es, zu sagen: Wann liegt eine berechtigte Abwehr-
handlung vor? Diese ist mindestens überall da anzunehmen,
wo die zur Wahrung der bedrohten Interessen bestellte Person
die Abwehrhandlung vornimmt. Lehrreich ist folgender Fall:
Ein Dampfer hat alle seine Fahrgäste bis auf einen ausgesetzt,
der sich versäumt hat. Als dieser nach Wegnahme der Lauf-
brücke sich dem Ausgang nähert, springt ein als Fachmann sich
gebender! Fremder auf die Kommandobrücke und befiehlt:
Volldampf vorwärts. Der Kapitän, dies merkend, eilt hinauf,
gibt Gegenbefehl, läßt den Dampfer rückwärts gehen und
übersieht in der Eile einen achteraus liegenden Kahn. Dieser
wird beschädigt. Haftet der Fremde oder nicht? Dieser Fall
ist richtig zu entscheiden nur unter Anwendung des Be-
griffes der Erfolgsstörung. Der Kapitän störte die Erfolgs-
bewegung des Täters, pflichtmäßiger und berechtigter Weise.
An sich haftet der Täter für die Folgen dieser Erfolgsstörung.
Wir werden jedoch wegen der konkurrierenden Fahrlässigkeit
des Kapitäns aus den Fall noch zurückkommen. Hier genüge
es, darauf hinzuweisen, daß an ihm sich ersehen läßt, wie
mannigfaltig die Gründe sein können, die eine Erfolgsstörung
als berechtigt erscheinen laffen.
Kann man diese Erfolgsstörung nicht auch etwa unter
die Erfolgsbeftandteile bringen? Der Auffassung des Reichs-
gerichtes würde dies entsprechen.
Besonders deutlich ergibt sich dies aus RGZ. 50, 219 ff.
(vgl. OLG. 3, 290 f.). Der Kläger verunglückte bei dem
Versuche, die mit dem Wagen durchgehenden Pferde des N.,
die dessen Dienstknecht W. vor dem Hause des Klägers ohne
Aufsicht hatte stehen laffen, aufzuhalten. Er kam zu Fall und
sein linker Unterschenkel wurde überfahren. Der Beklagte hatte.

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