Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

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Paul Krückmann,

faßt man die Formel negativ. Die Beschädigung würde nicht
eingetreten sein, wenn die besondere Gefahr nicht gewesen
wäre. Besondere Gefahr liegt vor, wenn ich mich in den Statt
begebe, das Pferd reite oder fahre, es aufschirre, es anspanne,
es beschlage, auf den Wagen steige rc. re. Dies alles bedingt
für mich eine besondere Gefahr, die für die anderen Menschen
nicht besteht. Ueberhaupt liegt im Zweifel dann schon Selbft-
gefährdung vor, wenn der Beschädigte sich oder seine Sache
in deliktsrechtlich zurechenbarer Weise in die unmittelbare Nähe
des Tieres bringt, so daß das Tier nicht mehr zu ihm zu kommen
braucht. Jedoch ist hiermit nicht alles umschrieben, es gehört
z. B. auch der Fall hierher, daß jemand seine Hand durch
das Gitter eines Hundezwingers steckt (Siber a. a. O.) und
nun der im Hintergründe liegende Hund mit einigen mächtigen
Sätzen herbeistürmt und die Hand abbeißt. Freilich wird uns
hier durch die Selbstverschuldung die Frage nach der Selbft-
gefährdung wohl immer gespart werden. Nicht dasselbe gilt
von einem besonders in Münster i. W. sehr häufigen Fall.
Einige sehr verkehrsreiche Straßen der Altstadt sind sehr eng,
an einigen Stellen sogar so eng, daß sich Fuhrwerke nicht ein-
mal ausweichen können. Vielfach halten darum alle Wagen
unmittelbar an der Bordschwelle, so daß die Vorübergehenden
auf dem sehr schmalen Bürgersteig in unmittelbarer Nähe der
stehenden, aber auch der sie überholenden Pferde vorübergehen
müssen. Hier kann von Selbstgefährdung nicht gesprochen
werden. Liegt eine Notlage für die Fuhrleute vor, so ist sie
für die Gehenden nicht minder vorhanden, denn es darf ihnen
nicht zugemutet werden, gerade während der verkehrsreichsten
Stunden auf die Benutzung des Bürgersteiges zu verzichten
und den unter Umständen noch gefährlicheren Fahrdamm auf-
zusuchen ; wir würden sonst ein Verkehrshindernis schaffen, um
den Tierhalter von seiner Haftung zu befreien.
Befreit das Schild: „Warnung!" oder „Achtung! Hund

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