Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

Verschuldensabrechnung und Gefährdungsaufrechnung. 465

kommenden Vertragsarten, ist oben schon bemerkt, wo ich auch
schon auf die weiteren praktischen Folgen hingewiesen habe.
Die Einwilligungs - (Verzichts-) oder Erlaubnistheorie
versagt aber noch des weiteren, wenn nämlich der Tierhalter
oder derjenige, der im Aufträge des Tierhalters das Pferd
führt, beschränkt geschäftsfähig ist. Der Volljährige, der mit
ihm einen Vertrag auf Mitnahme geschlossen hat, „widerruft"
diesen „Vertrag", um die Tierhalterhaftung herzustellen. Ueber-
dies bleibt noch immer die andere Zweifelsfrage ungelöst, in-
wiefern der zwischen dem Sohne, dem Knechte des Tierhalters
und dem Aufgenommenen abgeschlossene Vertrag die Haftung
des Tierhalters gegenüber dem Geschädigten soll ausschließen
können. Dieser Vertrag muß doch um so mehr ausscheiden,
wenn der Kutscher ohne Erlaubnis oder gar gegen Verbot des
Tierhalters den Fremden mit auf den Wagen genommen hat.
Man setze auch den Fall, daß beschränkt Geschäftsfähiger gegen
beschränkt Geschäftsfähigen steht. Der minderjährige Tierhalter
oder der minderjährige Sohn des Tierhalters nimmt zum Ver-
gnügen seinen ebenfalls minderjährigen Freund auf den Wagen,
der Vertreter des Verletzten verweigert die Genehmigung. Noch
schlimmer ist es, wenn der Tierhalter geschäftsunfähig ist.
Ein weiteres Bedenken besteht darin, daß die ganze Zone
der Vertragsverhandlungen, die noch nicht zum Abschluß des
Vertrages geführt haben, unberücksichtigt bleibt. Verkäufer und
Käufer besichtigen das an sich gar nicht bösartige Tier, der
Kaufliebhaber wird ohne irgendwelches Verschulden der Parteien
verletzt. Soll die unbedingte Tierhaftung eintreten oder nicht?
Ich meine doch, nein; auch dann nicht, wenn der zum Krüppel
Geschlagene das Reiten aufgeben und auf Abschluß des Ver-
trages verzichten muß; auch dann nicht, wenn er, ohne schwer
verletzt zu sein, aus bloßer Aengstlichkeit auf den Ankauf des
Pferdes verzichtet. Hier helfen weder Einwilligung noch Ver-

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