Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

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Regelsberger,

weift ihm BGB. § 283 den weiteren Weg: er kann nun dem
Schuldner zur Bewirkung der Leistung eine angemessene Frist
setzen mit der Erklärung, daß er die Annahme der Leistung
nach Ablauf der Frist ablehne. Ist die Frist fruchtlos ver-
strichen, so hat er nunmehr den Anspruch auf Schadenersatz
wegen Nichterfüllung. Damit ist das gesuchte Ziel erreicht.
IV. Beurteilt man jede der praktischen Fragen, die sich
an das vertragsmäßige Darlehnsversprechen knüpfen, von ihrer
eigenen Grundlage aus, wie hier versucht worden 'ist, so ver-
liert der Streit über die reale oder konsensuale Natur des
Darlehns stark an Bedeutung; denn die Fragen aus dem
Dogma lösen, heißt das Pferd beim Schwanz aufzäumen.
V. Der Verfasser der vorausgehend abgedruckten Ab-
handlung will das „Darlehn" aus dem juristischen Sprachschatz
ausmerzen und durch den Ausdruck Kreditvertrag ersetzen mit
Unterscheidung des Kreditleih- und des Kreditmietvertrages, je
nachdem „der Kreditnehmer im ganzen nur das vom Kredit-
geber zu leistende Quantum widerzuleisten braucht oder noch
darüber hinausgehende Leistungen zu machen hat, insbesondere
Zinsen zu zahlen" (S. 361 fg.).
Auf diesem Pfad wird dem Verfasser kein erfahrener Jurist
folgen. Der Tausch wäre eine Verschlimmbesserung.
Vor allem: Was ein Darlehn ist, versteht auch ein Nicht-
jurist; von einem Kreditleih- oder einem Kreditmietvertrag wird
er sich keine klare Vorstellung machen können; der Sprachgebrauch
des Verkehrs wird daher am „Darlehn" festhalten. Es ist nun
gewiß nicht wünschenswert, daß die Jurisprudenz ohne ersicht-
lichen Grund den Erscheinungen des praktischen Lebens Be-
zeichnungen gibt, die im Verkehr nicht üblich, ja nicht verständ-
lich sind.
Dann ist auch in der Nechtssprache der Begriff Kredit-
vertrag sehr allgemein und unbestimmt; es fallen darunter

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