Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

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E. Lübbert,

erst mit der Vorleistung perfekt wird (siehe unten § 3 III),
resultiert aus dem Willensinhalt der Parteien.
Daß nun die Bedeutung der römischen r68 bedingt war
durch die mangelhafte Willenswirkung des formlosen
evv86N8U8, gab man, wie oben gesagt, prinzipiell zu; das be-
wies ja auch ein für allemal das Vorhandensein der In-
nominatrealkontrakte: Der Tausch z. B. war bei den Römern
nicht etwa Realkontrakt nur dann, wenn nach dem Willen der
Parteien ein Teil vorzuleisten hatte — sondern weil der Tausch-
vertrag Realkontrakt schlechthin war, wurde er erst durch Vor-
leistung von einer Seite juristische Tatsache. Was man nun
damals (bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa) im
einzelnen angenommen haben mag —, ob man etwa annahm,
schon die Römer hätten neben dem durch den Mangel der
Willenswirkung bedingten Realkontrakt in den Geschäften
mit Vorleistungspflicht eines Teils einen auf dem Willens-
in halt der Parteien beruhenden „Realkontrakt" gekannt, so
daß das Darlehen dann also bei den Römern in doppelter
Beziehung ein Realkontrakt gewesen wäre^o), — oder ob man
sich die Sache etwa so vorgestellt hat, daß dieser „Realkontrakt"
im letzteren Sinne sich erst jetzt als ein Realkontrakt heraus-
gestellt habe, nachdem die frühere Qualifizierung gewisser Ver-
träge als Realkontrakte im ersteren Sinne fortgefallen sei —
das ist aus den Ausführungen jener oben (Note 29) genannten
Schriftsteller nicht ersichtlich, das ändert auch nichts am Ge-
30) Diese Behauptung, daß die Römer die Geschäfte mit Borleistungs-
pflicht, wegen der materiellen Abhängigkeit des Anspruchs aus die Wider-
leistung von der Vorleistung, Realkontrakte genannt Härten, ließe sich durch
nichts erweisen. Dagegen spricht, daß z. B. der Tausch ein für allemal
und zwar nicht weniger Realkontrakt war, als das Darlehen, wiewohl hier
beim Darlehen immer nach dem Willen der Parteien ein Teil vorleistet
(das ist eben das für das Darlehen Charakteristische, während beim Tausch
meist ein solcher Wille durchaus nicht vorhanden ist).

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