Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

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E. Lübbert,

die r68 des römischen Rechts sei eine vom objektiven Recht ge-
forderte „Form" gewesen, die zum formlosen consensus der
Parteien habe hinzutreten müssen, um ihm zivilrechtliche Gültig-
keit zu verleihen.
Diese Auffassung berücksichtigte zwar nicht die älteste
römische Zeit, in welche die Wurzeln des Realkontrakts zurück-
gehen, jene Zeit, in der die res nichts anderes war, als eine,
als grundlos gewürdigte Sachleistung, welcke man kraft ob-
jektiven Rechtssatzes kondizieren konnte. Wohl aber traf jene
Auffassung für die späteren Zeiten zu, in denen das paetum
nuckum durch das Hinzutreten der res causa civilis wurde.
Die res war zwar keine Form im eigentlichen Sinne — aber
sie war doch' eine Tatsache, die der formlosen Vereinbarung
volle Wirksamkeit gab — und insofern war die res der „Form"
vergleichbar.
Nun hatte aber, seit dem 14. Jahrhundert vordringend,
die Rechtsnorm von der Verbindlichkeit aller obligatorischen
Verträge im 16. Jahrhundert unbeschränkte Geltung erlangt27);
auch Zinsen und Darlehenshingabe konnten jetzt formlos ver-
sprochen werden, auch die Vereinbarung, ein Darlehen zu geben
und widerzugeben, war von vornherein in vollem Umfang
juristische Tatsache (womit über die materielle Perfektion des
Anspruchs auf Widerleistung des Darlehens nichts gesagt ist;
siehe unten § 3 II, III).
Man sollte glauben, daß die Schriftsteller, welche jene
prinzipielle Auffassung der res hatten, nun aus dieser ihrer
Auffassung den Schluß gezogen hätten: da heute alle Verein-
barungen wirksam sind, und die res daher als ein die mangelnde
Prakt. Pandektenrecht, 1867, N- 1 zu § 308; Arndts, Pandekten, 1879,
§ 232. Weitere Zitate siehe bei Adler in JheringsJ. 31, 192.
27) Ok. Seuffert, Zur Geschichte der obligatorischen Verträge, 1881,
und dazu Stintzing in KrVJSchr. 23, 5O9ff.

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