Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

Der Kreditvertrag.

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Ganz genau ebenso hätte man dann freilich die Verein-
barung, ein Pferd zu geben tauschweise gegen einen 6 Monate
später widerzuleistenden Ochsen, einen Tauschvorvertrag nennen
müssen — während der Tauschrealkontrakt erst das Verhältnis
von der Leistung des Pferdes an umfasse; denn die Verein-
barung der Widerleistung wurde auch hier erst mit der Leistung
des Pferdes juristische Tatsache, und der Anspruch auf den
Ochsen wurde (und wird) auch hier erst materiell perfekt mit
der Vorleistung.
Wie die römischen Juristen zur Lehre vom Darlehensvor-
vertrag gestanden haben, ob z. B. Paulus in dem Tatbestand der
1. 68 D. d. y. o. einen solchen Vorvertrag erblickt hat oder nicht,
glauben wir nicht in diesem oder jenem Sinn mit Gewißheit
behaupten zu dürfen. Sollte Paulus in dem genannten Tat-
bestand einen Vorvertrag erblickt haben, so würde das eine
Tatsache der Dogmengeschichte des Darlehens, nicht eine Tat-
sache seiner Geschichte sein.

8 2.
Die Dogmengeschichte des Darlehens im gemeinen Recht.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein hat die
Literatur des gemeinen Rechts dem Realkontrakt keine sonder-
liche Aufmerksamkeit zugewendet25). Erst Brinz hat durch
seine Kritischen Blätter H. 1 im Jahre 1851 das allgemeine
Interesse auf jene bisher vernachlässigte Materie zu lenken
gewußt.
I. Prinzipiell erklärte man vor Brinz fast durchgehends26):
25) Cf. Demelius in JheringsJ. 3, 399.
26) So insgesamt die Glossatoren (cf. Liebe in Lindes Z. f. Zivil-
recht und Prozeß 15, 67). Ebenso von den Neueren: Glück 4, 238—240;
Mühlenbruch, Pandekten, 1838, § 342; Thibaut, Pandekten, 1846,
§ 392; Puchta, Vorlesungen, 1844, § 250. Nach Brinz: Seuffert,
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