Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

Der Kreditvertrag.

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certae rei, später besonders condictio triticaria genannt):
A konnte seine Leistung, die er im Vertrauen darauf gemacht
hatte, daß B sich an die formlose Vereinbarung halten werde,
zurückfordern.
Die Nechtstatsache, die dem A dieses Rückforderungsrecht
gab, war nicht etwa ein consensus der Parteien; bei Leihe
und Darlehen z. B. war zwar ein solcher consensus da, aber
er war rechtlich unerheblich; die juristische Tatsache, die die
Rückforderung der hingegebenen Sache (bezw. ihres absoluten
Wertes) ermöglichte, war die res, die in verhältnismäßig freier
Beurteilung als grundlos gewürdigte Bereicherung des Em-
pfängers (ck. Oaius III § 131). Wenn auch A, nachdem
er vereinbarungsgemäß an B geleistet hatte, die vereinbarte
Gegenleistung selber nicht verlangen konnte, so konnte er doch
jetzt, indem er dem B die Rückforderung der Vorleistung an-
drohte, auf den B einen (rein psychologischen) Druck ausüben,
dahin gehend, daß B ihm die vereinbarte Gegenleistung (bei
Leihe und Darlehen = Rückleistung) mache. In dieser con-
dictio des sine causa Gegebenen erblicken wir die Keimzelle
des Realkontrakts.
II. Die nun folgende Phase der Entwickelung bringt die
Anerkennung des Parteiwillens, der den oben beispielsweise
genannten Geschäften zu Grunde liegt, zum Durchbruch: die
rechtlich unerhebliche formlose Vereinbarung ist für sich allein
zwar auch jetzt bedeutungslos, aber sie wird nachträglich juristische
Tatsache durch Vorleistung von einer Seite; das pactum nudum
wird causa civilis durch die res; der Vorleistende kann jetzt
vom Gegner die vereinbarte Gegenleistung verlangen und ist
also nicht mehr auf die condictio des Vorgeleisteten beschränkt.
Wieso man dazu kam, der res eine solche Wirkung beizulegen,
ist der Vermutung überlassen und läßt sich nicht mit Sicherheit

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