Full text: Volume (Bd. 52 = 2.F. 16 (1907))

Das Privatrecht der Arbeitstarifverträge.

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Rolle. Von den im Kaiser!. Statist. Amt (Abteilung für Ar-
beiterstatistik) gesammelten 1577 Tarifverträgen stellen sich etwa
2/s als „Verbandstarife" (bei denen also mindestens eine Partei
ein „Verband" ist) dar, Beitr. 4 S. 5. In häufigen Fällen
vereinigen sich aber auch die Arbeiter (und Arbeitgeber) nur
aus Anlaß einer konkreten „Lohnbewegung" und dann zum
Abschluß eines einzelnen Tarifvertrages. Diese Koalitionen —
gelegentliche und ständige (Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände)
— treten dann auch in den meisten Fällen als Kontrahenten
des Tarifvertrages auf. Bei der Frage nach der rechtlichen
Natur des Tarifvertrages bildet darum die Untersuchung der
rechtlichen Natur der Koalitionen die Grundlage (Kap. II).
Der Tarifvertrag hat zum Zweck eine generelle Nor-
mierung der Arbeitsbedingungen. Er will in den
Unternehmungen, in denen er gilt, für alle während seiner
Geltungsdauer einzugehenden Arbeitsverhältnisse maßgebend
sein, sie sollen alle nur nach seiner Norm inhaltlich geregelt
sein dürfen. Danach bestimmt sich, zu was sich die Parteien
durch den Tarifvertrag für verpflichtet erklären (Kap. IV).
Für wie viel Unternehmungen ein Tarifvertrag gilt oder
gelten soll, also welchen sachlichen und damit zusammenhängend
welchen räumlichen Geltungsbereich er in Anspruch
nimmt, ist verschieden. Es werden unterschieden Firmentarife,
deren Geltungsbereich eine Unternehmung ist (auch solche, die
nur für einen Teil einer Unternehmung gelten), Ortstarife
(Lokaltarife), die für die in einem oder mehreren meist benach-
barten Orten vorhandenen Unternehmungen eines Gewerbes
gelten sollen, und Tarife größerer Bezirke, besonders General-
tarife oder Nationaltarife. In Deutschland gibt es zur Zeit
folgende Nationaltarife: für die Buchdrucker, die Chemigraphen
und Kupserdrucker, die Lichtdrucker und Lithographen, die Form-
stecher und die Notenstecher, die Konsumvereinsangestellten und
LH. 2. F. XVI. 2

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