Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

Der Sachbesitz nach dem B.G.B.

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oll, die thatsächliche Gewalt über die Sache erlangt (§ 854
Abs. 1), erforderlich. Zum Fortbestände des einmal begrün-
deten Besitzes genügt dagegen, daß der Besitzer die Gewalt
nicht aufgegeben hat, und daß auch kein Umstand eingetreten
ist, vermöge dessen die fernere Ausübung der Gewalt über die
Sache als ausgeschlossen erscheint (vergl. § 856). Als ein
solcher Umstand ist aber z. B. nicht anzusehen schwere Er-
krankung des Besitzers, welche ihn zu jeder Aktion unfähig
macht, Abwesenheit, ja selbst Verschollenheit desselben. Eine
Folge davon ist, daß wir aus den obwaltenden äußeren Ver-
hältnissen zwar sehr häufig zu erkennen vermögen, daß sich
eine Sache in Jemandes Besitz befindet, nicht aber auch, wer
der Besitzer ist. Man denke etwa daran, daß Bausteine auf
einer öffentlichen Straße aufgeschichtet liegen, oder daß Schwemm-
holz seinem Bestimmungsorte wasserabwäns zugetragen wird,
oder daß auf einem von Menschenwohnungen weit entfernten
Acker die neue Saat aufgeht. Daran, daß es sich hier um
Sachen handelt, die sich in Jemandes Besitz befinden, wird
Niemand zweifeln. In Betreff der Frage dagegen, wer der
Besitzer ist, giebt der äußere Sachverhalt nicht den geringsten
Aufschluß. Wollte man sich insbesondere daran halten, daß
Besitzer sei, wer in der Lage ist, die Gewalt über die Sache
auszuüben, so könnte man. wenn man lediglich den gegen-
wärtigen Zustand in Betracht zieht, Jeden aus dem Publikum
für den Besitzer ebenso gut halten, wie denjenigen, welcher
Besitzer wirklich ist. Wodurch unterscheidet sich aber dann der
Besitzer von jedem Anderen aus dem Publikum, der Besitzer
nicht ist? Dadurch, daß zu seinen Gunsten ein der Ver-
gangenheit angehörender Vorgang wirksam geworden ist, an
welchen sich der Besitzerwerb geknüpft hat, und daß er hierdurch
der mit dem Besitze verbundenen Rechtsfolgen theilhaftig ge-
worden ist. Hierdurch ist die Möglichkeit eines derivativen

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