Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

Laienverstand und Rechtsprechung.

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der Exmittirte, sie ihm nicht zur Verwahrung geben könne? Der
Spediteur erwidert: „Meinetwegen. Ihr könnt sie in meinen
Hof stellen." Auf Bitten des Exmittirten erklärt der Spediteur
auch noch, daß die Sachen auf den Möbelwagen geladen
werden dürfen; sie werden weggefahren und im unbedeckten
Hofe des Spediteurs ausgestellt. Nach 3 Wochen holt der
Exmittirte, ein Mechaniker, die Sachen ab und erhebt darauf
eine Klage auf mehrere hundert Mark Schadensersatz gegen
den Spediteur, weil eine Menge der aus Messing bestehen-
den Fabrikate durch den Regen zu Grunde gerichtet sind.
Derjenige Jurist, der meint, er arbeite nur mit den
juristischen Begriffen, welche das B.G.B. aufstellt,
der zunächst mit diesen an den Thatbestand herantritt, schließt
wahrscheinlich: es liegt ein Perwahrungsvertrag (§ 688 B.G.B.)
vor, wodurch der Verwahrer verpflichtet wird, eine ihm vom
Hinterleger übergebene bewegliche Sache aufzubewahren ; denn
es sind ja dem Spediteur die Sachen zur „Verwahrung"
übergeben. Weiter: bei Spediteuren, die gewerbsmäßig die
Aufbewahrung von Sachen gegen Entgelt übernehmen, braucht
nicht besonders eine Vergütung für die Aufbewahrung aus-
gemacht zu werden, weil bei ihnen die Aufbewahrung „den
Umständen nach" nur gegen eine Vergütung zu erwarten
ist (§ 689); folglich haftet der Spediteur für levis eulpa (§ 276) *)
und muß den Schaden ersetzen.
Der Laie, der alle die angezogenen Bestimmungen des
B.G.B. nicht kennt und darum, unbeeinflußt durch diese, ledig-
lich nach der Verkehrssitte, nach der Lebenserfahrung ur-
theilt, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen über solches
i) Ob überhaupt ein fahrlässiges Handeln vorliegt, ist nach
§ 276 ebenfalls danach zu bestimmen, ob die im Perkehr erforderliche
Sorgfalt außer Acht gelassen ist. Vergl. hierzu Wendt, Archiv f. d. civ.
Praxis, Bd. 87 S. 422ff.

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