Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

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Emil Strohal,

III. Rechtliche Bedeutung des Besitzes.
§ 5.
I. Die rechtliche Bedeutung des Besitzes zeigt sich nach
sehr verschiedenen Richtungen hin.
1) So ist der Besitz vor allem in zahlreichen Fällen prak-
tische Boraussetzung voller Rechlsausübung. Hier-
über soll unter II. gehandelt werden.
2) Der Besitz bildet sodann nicht selten neben anderen
Umständen ein sehr wichtiges, möglicher Weise aber ganz
vorübergehendes Thatbestandsmoment für den Ein-
tritt gewisser Rechtsfolgen. Vergl. darüber die Aus-
führungen unter III.
3) Hierzu kommt noch, daß auch schon der Besitz als
solcher Grund gewisser Rechtsfolgen ist. In Be-
treff derselben muß aber freilich wieder unterschieden werden
zwischen den Rechtsfolgen, welche a) an den unmittelbaren
und welche d) an den mittelbaren Besitz als solchen geknüpft
sind. Diese Rechtsfolgen sollen unter IV und V aufgeführt
und besprochen werden.
II. Der Eigenthümer einer Sache kann diese nur nutzen,
wenn er sich im unmittelbaren oder mittelbaren Besitze
derselben befindet. Dasselbe gilt im Wesentlichen auch vom
Nießbraucher einer Sache. Die thatsächliche Ausübung eines
Faustpfand- oder Zurückbehaltungsrechtes findet gerade
dadurch statt, daß der Berechtigte den Gegenstand seines Rechtes
besitzt. Die volle Ausübung des ehemännischen Rechtes an
den eingebrachten Sachen der Ehefrau und ebenso die Aus-
übung des elterlichen Rechtes an den der elterlichen Nutznießung
und Verwaltung unterliegenden Sachen des Kindes erfordert
den Besitz des Ehemanns, des Vaters, der Mutter an den

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