Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

240

W. von Blume,

Und zwar zunächst in der Annahme, daß das B.G.B.
unter Widerrechtlichkeit einfach die Strafrechtswidrigkeit ver-
standen wissen wollte. Indessen ergiebt sich bei näherer Be-
trachtung des Strafgesetzes bald, daß diese Auslegung un-
möglich ist. Denn weder entspricht der Thatbestand von § 240
noch der von § 253 des St.G.B. dem Thatbestand vom
B.G.B. § 123, noch ergeben sie etwa beide zusammen diesen
Thatbestand. Denn in beiden Paragraphen wird die Drohung
noch besonders qualifizirt, in § 240 durch die Schwere des
angedrohten Nebels und in § 253 durch die Besonderheit des
mit der Drohung verfolgten Zweckes.
Von einer solchen Qualifikation der Drohung enthält
B.G.B. § 123 nichts. Es ist also für den Gesetzgeber bei
der Behandlung der Drohung der Ausgangspunkt hier em
anderer gewesen als dort. Die Widerrechtlichkeit des § 123
ist nicht bloße Strafrechtswidrigkeit.
Dies Bedenken hindert indessen nicht, das Strafrecht in
einem anderen Sinne zur Auslegung von B.G.B. § 123
heranzuziehen. Insofern nämlich auch die Bestrafung der Drohung
ein widerrechtliches Handeln voraussetzt *), erhebt sich die Frage,
ob nicht das B.G.B. die Widerrechtlichkeit der Drohung in
demselben Sinne aufgefaßt wissen will wie die entsprechenden
Bestimmungen des St.G.B.
Daß das Strafgesetzbuch die Fassung des § 123 beein-
flußt hat, darf angenommen werden. Ist aber darüber hinaus
der Begriff der „Widerrechtlichkeit" einfach dem Strafgesetzbuch
i) StG.B. § 240: „Wer einen Anderen widerrechtlich durch
Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Verbrechen oder Vergehen zu
einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nöthigt, wird . . . bestraft."
St.G.B. § 258: „Wer, um sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen
Vermögensvortheil zu verschaffen, einen Anderen durch Gewalt oder Drohung
zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nöthigt, ist . . . zu be-
strafen."

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