Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

136 Emil Strohal,
Besitz in dem letzten Jahre vor der Störung erlangt wor-
den ist.
Auch zum Verständniß dieser Vorschrift sollen mehrere Bei-
spiele vorgelegt werden:
1) Der ursprüngliche Besitzer eines Grundstücks, wir be-
zeichnen ihn als A, ist in seiner Abwesenheit von B durch
verbotene Eigenmacht seines Besitzes entsetzt worden. Bei
seiner Rückkehr nimmt A bezüglich seines Grundstücks Hand-
lungen vor, wie sie unter I genauer bestimmt worden 'sind.
Erwächst hieraus dem B gegen den A ein Anspruch aus Be-
seitigung der Störung bezw. auf Unterlassung weiterer Stö-
rungen? Dies hängt nach § 862 Abs. 2 davon ab, ob die
seitens des A vorgenommene Störung des Besitzes des B
innerhalb oder erst nach Ablauf eines Jahres, seitdem
sich B durch verbotene Eigenmacht des zuerst vom A besessenen
Grundstücks bemächtigt hatte, erfolgt ist. Fällt die Störungs-
handlung noch i n diese Jahresfrist, so war sie in einer Zeit
vorgenommen, zu welcher dem A gegen den B noch der besitz-
rechtliche Anspruch nach § 861 auf Wiedereinräumung des
Besitzes zukam; mit Rücksicht hierauf soll dann aber auch B
wegen der in diese Zeit fallenden Störung l27) besitzrechtlich
nicht klagen können, ein auf § 862 sich stützender Anspruch
desselben also ausgeschlossen seines). Hatte jedoch A die
Störungshandlung erst nach Ablauf der Jahresfrist, welche
ihm zur Geltendmachung des Anspruchs gegen B auf Wieder-
einräumung des Besitzes zur Verfügung stand, vorgenommen,
so greift die Ausnahmsbestimmung des § 862 Abs. 2 nicht
durch, und bleibt es somit bei der Regel des § 862 Abs. 1,
127) Vergl. Anm. 117.
128) Klagt b trotzdem gegen A wegen Besitzstörnng, so ist er lediglich
abzuweisen; auf Wiedereinräumung des Besitzes an den A kann er in dem
über seine Klage eingeleiteten Verfahren keinesfalls verurtheilt werden.

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