Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

Der Sachbesitz nach dem B.G.B

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licher Anspruch nach den §§ 861, 869 gegen den X nicht
entspringen. Denn nach § 869 erlangt der bisherige mittel-
bare Besitzer einen besitzrechtlichen Anspruch auf Wiederein-
räumung des Besitzes nur insofern, als ein solcher zunächst für
den unmittelbaren Besitzer begründet ist. Gerade an dieser
Voraussetzung fehlt es aber in unserem Falle, da ja X den
Besitz der Sache mit dem Willen des Entleihers d. i. des un-
mittelbaren Besitzers erlangt hat.
IV. Der Anspruch auf Wiedereinräumung des Besitzes
richtet sich gegen denjenigen, welcher dem Kläger gegenüber
fehlerhaft besitzt. Fehlerhafter Besitzer im Sinne des § 861
ist aber:
1) wer den Besitz durch verbotene Eigenmacht erlangt hat;
2) der Erbe eines fehlerhaften Besitzers, vorausgesetzt,
daß er den Besitz als Erbe erlangt hat;
3) der sonstige Nachfolger eines fehlerhaften Besitzers,
wenn er die Fehlerhaftigkeit des Besitzes seines Vormanns bei
dem Erwerbe gekannt hat*").
Nach dem Wortlaute des § 858 Abs. 2 scheint freilich
nur der Besitz unter Z. 1 als „fehlerhaft" bezeichnet werden
und in den Fällen unter Z. 2 und 3 nur davon gesprochen
werden zu dürfen, daß diese Besitzer die Fehlerhaftigkeit des
Besitzes ihrer Vorgänger gegen sich gelten lassen müssen. Neben
dem § 858 kommen aber auch noch die §§ 861 und 862 in
Betracht, und in diesen Bestimmungen wird auch mit Bezug
auf einen Besitzer, für den lediglich das oben unter Z. 2 und 3
Bemerkte zutnfft, die Wendung gebraucht, daß er fehlerhaft
besitze. Hieraus ergeben sich auch praktische Konsequenzen.
Beispiel: Dem ursprünglichen Besitzer k ist der Besitz vom A
114) Hierbei kommt übrigens darauf, ob sich der Besitzerwerb des
Nachfolgers nach Abs. i oder nach Abs. 2 des § 854 vollzogen hat, gar
nichts an.

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