Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

Der Sachbesitz nach dem B.G.B.

111

der mittelbare Besitz eines Anderen bisher beruhte, nicht mehr
besitzen will? Wird dadurch allein schon der mittelbare Besitz
des Anderen aufgehoben oder nicht? Das Gesetz giebt uns
hierauf keine direkte Antwort. Eine indirekte Antwort können
wir aber aus den Vorschriften über die Ersitzung gewinnen.
Soweit Ersitzung des Eigenthums überhaupt ftattfinden kann,
setzt sie immer Eigenbesitz voraus, d. h. einen Besitz, wobei
der Besitzer die Sache als ihm gehörend besitzt (§§ 937, 900,
372). Diese Willensrichtung kann aber ein unmittelbarer
Besitzer, welchem ein mittelbarer Besitzer gegenübersteht, sicher-
lich ebenso gut zu zweifellosem Ausdruck bringen wie der
Dieb, der die Sache dem unmittelbaren Besitzer wegnimmt.
Nicht minder gewiß ist, daß auch die weiteren Voraussetzungen
der Ersitzung auf Seite 'desjenigen unmittelbaren Besitzers,
welchem bisher ein mittelbarer Besitzer gegenüberstand, sehr
wohl vorhanden sein können ivergl. §§ 937ff. und 900).
Das Gesagte gilt insbesondere auch rücksichtlich des zur Er-
sitzung beweglicher Sachen durch § 932 geforderten guten
Glaubens; denn wenn z. B. der Besitz des Erblassers an
einer von ihm leihweise übernommenen Sache auf den Erben
übergegangen ist, so kann dieser guten Grund haben, die Sache
als ihm gehörend zu betrachten.
Darf aber dies alles als sicher gelten, steht fest, daß auch
derjenige, welcher bisher nur „als Nießbraucher, Pfandgläubiger,
Miether, Verwahrer oder in einem ähnlichen Verhältnisse" be-
saß. Eigenbesitzer auch ohne und gegen den Willen des An-
deren werden kann, der ihm bisher als mittelbarer Eigen-
besitzer gegenüberstand, so ist dadurch ein weiterer Fall
der Beendigung mittelbaren Besitzes gegeben.
102) Darüber, daß eS außer den im Texte vorausgesetzten Fällen,
in welchen der mittelbare Besitzer zugleich Eigenbesitzer ist, auch Fälle giebt,
wo dies nicht zutrifft, vergl. oben S. 27 ff.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer