Full text: Volume (Bd. 38 = 2.F. 2 (1898))

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Emil Strohal,

Selbstverständlich wird in solchem Falle auch der etwa vor-
handen gewesene mittelbare Besitz beendigt.
2) Bei gezähmten Thieren, welche uns entlausen sind,
schon dadurch, daß ihnen die eonsuetuäo revertenäi abhan-
den gekommen ist, bei wilden von uns bisher festgehaltenen
Thieren dadurch, daß sie sich unserer Verwahrung entzogen
haben (§ 960), und bei beweglichen Sachen überhaupt dadurch,
daß rücksichtlich ihrer der Vorgang des „Verlierend" eintritt
oder wohl auch, daß sie, ohne eigentlich verloren worden zu
sein, eine Ortsveränderung erfahren, vermöge welcher der bis-
herige Besitzer praktisch nicht mehr in der Lage ist, die Ge-
walt über sie auszuüben 10°). Auch in diesen Fällen hat die
Beendigung des unmittelbaren Besitzes die Beendigung des
durch denselben vermittelten mittelbaren Besitzes zur Folge.
3) Durch Entsetzung (Dejektion) des bisherigen Besitzers.
Das römische Recht macht hier einen grundsätzlichen Unterschied
zwischen beweglichen und unbeweglichen Sachen. Bei beweg-
lichen Sachen ist zur Dejektion unter allen Umständen genügend,
daß der Dejicient unter Ausschluß des bisherigen Besitzers die
thatsächliche Gewalt über die Sache erlangt hat. Bei unbe-
weglichen Sachen geht dagegen dem bisherigen Besitzer der
Besitz dadurch noch nicht verloren, daß während seiner Ab-
wesenheit ein Anderer sich des Grundstücks bemächtigt; Besitz-
verlust soll vielmehr nur dann eintreten, wenn der bisherige
Besitzer nach erlangter Kenntniß von dem Eindringen des
Anderen es unterläßt, sich des Grundstücks wieder zu bemäch-
tigen. Dem B.G.B. ist eine solche den Besitzverlust an un-
beweglichen Sachen betreffende Sonderbestimmung gänzlich
fremd. Die Vorschrift des § 856 gilt für Grundstücke nicht

100) Beispiel: Bewegliche Sachen werden in Folge einer Ueber-
schwemmung meilenweit fortgerissen.

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