Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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Schloßmann,

Für das Verständniß der Stelle ist es zunächst erfor-
derlich, das Verhältniß des Satzes „quoniam possum pocula
vindicare“ zu dem Vorangehenden sestzustellen.
Man könnte daran denken, diesen Satz dem Ulpian
zuzuschreiben und in ihm die Begründung für die Zurückweisung
der Ansicht des Mela zu sehen. Dafür würden zwei äußere
Momente sprechen: das eine ist die naheliegende Erwartung,
von Ul Pi an einen Grund für seine gegentheilige Ansicht zu
hören; das andere ist der Indikativ „possum", der nur auf
den Satz „illud verum non est“ bezogen grammatisch zu
rechtfertigen ist. Dagegen aber spricht, daß in der Möglichkeit der
Vindikation der Becher nicht ein Grund gegen sondern eher für die
Ansicht des M e l a gefunden werden kann. Wir werden daher in
dem Satze: „quoniam possum pocula vindicare“ einen Bestand-
theil des Citats aus Mela zu sehen haben, in welchem dieser
Jurist den Grund für die Zuständigkeit der actio de in rem
verso angiebt. Hiergegen spricht nicht mit Nothwendigkeit
der Indikativ „possum“; denn das zu erwartende „possem“,
welches Mela geschrieben haben wird, kann leicht, sei es in-
folge eines Abschreiberversehens, sei es infolge absichtlicher
Aenderung seitens der Kompilatoren1 r) in „possum“ verwandelt
worden sein. Entschieden dafür aber sprechen einmal die
föafilifen12), welche offenbar die Möglichkeit der Vindikation
der Becher als den von den Vertheidigern der verworfenen
Meinung geltend gemachten Grund hinstellen:
3Eav dqyvQiov xat dovlaj fxov snl xijj noirfiai ooi oiov-
drjTtoxe dqyvQOv fcoxrßia, xai noirpag avxä xelevxroei,
ovy, STteiörj dvvaiicu avxa diexdixeiv, k'yetg
YMxd jiiov xrjv neqi xrtg öajtdvrß ayayyrjV.
11) Vgl. über Veränderungen der Modi durch die Kompilatoren
Kalb, Das Juristenlatein, S. 66 ff.
12) XVIII. 7, 7 (»uppl. p. 245).

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