Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Versprechen und Vertrag.

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Mag übrigens der Entw. in der Verjährungslehre überall
das Richtige getroffen haben oder nicht, jedenfalls hat er —
worauf es uns hier allein ankommt — durch Aufgabe der
„Klageverjährung" das Prinzip anerkannt, daß bei Her-
stellung eines bürgerlichen Gesetzbuches der Anschluß an die
Anschauungen der Gegenwart und an den Sprachgebrauch
des täglichen Lebens — behufs Herstellung möglichster Gemein-
verständlichkeit — ein so wichtiges Ziel ist, daß der Erreichung
desselben historische Reminiscenzen unbedenklich zum Opfer
gebracht werden dürfen.
In der Vorrede eines mir soeben erst zugegangenen, eine
scharfe Kritik des Entwurfs II enthaltenden Buches *9) stoße
ich auf folgende Worte:
„Es handelt sich nicht um den thatsächlichen Erfolg
des Kampfes — wenn in diesem Falle von einem Kampfe
überhaupt geredet werden kann —, sondern um die
Erfüllung eines wissenschaftlichen und ethi-
schen Pflichtgebots".
Dies mag als Schlußwort gelten auch für die vorstehende
Abhandlung 9°).
89) Petrazycki, Die Lehre vom Einkommen, n (1895) S. VI.
90) Im Eingänge dieser Abhandlung ist S. 2 (ohne weitere Moti-
virung) gesagt, die uns durch politische und wirthschaftliche Verhältnisse
ausgenöthigte Aufgabe der Schaffung eines bürgerlichen Gesetzbuchs sei
wissenschaftlich wenig vorbereitet gewesen. Damit sollte in
erster Linie hingedeutet sein auf zwei Vorbereitungsmängel, nämlich ») die
ungenügende Kenntniß der Naturgesetze der Rechtsentwicklung — in dem
jetzt von Neukamp, Entwicklungsgeschichte des Rechts, i (1895) S. 4 ff.,
in ff. erläuterten Sinne; und t>) den Mangel einer Grammatik der
deutschen Rechtssprache. — S. übrigens auch Petrazycki a. a. O. S. v f.
und 565 ff.

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