Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Die Verfolgung beweglicher Sachen nach Entwurf B.G.B. 455

nicht. A!s praktischer Inhalt des §918 ergiebt sich also, daß
der frühere Besitzer einer beweglichen Sache, um deren Heraus-
gabe von dem gegenwärtigen Besitzer zu erlangen, nur zu be-
weisen braucht: entweder daß er die Sache ohne seinen
Willen, durch Diebstahl und dergleichen, verloren, oder daß
er sie zwar mit seinem Willen, aber in einer sein Eigen-
thum nicht aufhebenden Weise, zu Pfand rc. aushingegeben,
und daß der Beklagte dies beim Erwerbe der Sache gewußt habe.
Ganz genau dasselbe ergiebt sich nun aber auch aus
§ 919. Der erste Fall steht ganz ausdrücklich im Absatz 2;
der zweite Fall versteckt sich im Absatz 2. Ich sage versteckt
sichj; denn den Worten nach scheint es allerdings so, als
hätte der Kläger nur seinen früheren Besitz und den bösen
Glauben des Beklagten zu beweisen, nicht auch die Art und
Weise seines Besitzverlustes. Aber wie wird der Kläger den
Beweis des bösen Glaubens wohl anders führen, als indem
er nachweist, was der Beklagte gewußt hat? Und was er
gewußt haben muß, damit man ihn bösgläubig nennen kann,
das kann doch nur sein, daß sein Vormann nicht berechtigt
war, ihm die Sache zu übergeben; und daß er nicht dazu
berechtigt war, ergiebt sich aus den Umständen, unter denen
er die Sache vom Kläger bekommen, also daraus daß dieser
sie ihm in einer ihn nicht zur Verfügung über die Sache be-
rechtigenden Weise gegeben hat — der Fall unfreiwilligen
Besitzverlustes ist ja ausgeschlossen — zu Pfand, Leihe rc.
Der Beweis der Art und Weise des Besitzverlustes steckt also
immer darin.
Die Klage des § 919 soll dem „früheren Besitzer" schlecht-
hin zustehen, Besitzer im weitesten Sinne genommen, sodaß, wie
Re atz, S. 498 Anm. 7 bemerkt, auch dem Miether, dem
XXXV. N. F. XXIII. 30

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