Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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Pflüger,

geworden sein. Oder aber — dieser Fall ist im Entwurf
^icht ausdrücklich genannt *) — der Kläger beweist, daß er
die Sache dem Beklagten selber oder seinem Vorgänger zwar
freiwillig, aber in einer sein Eigenthum doch nicht aufhebenden
Weise — leihweise, zu Pfand, zur Aufbewahrung, zur Be-
arbeitung oder sonst — hingegeben, und daß Beklagter dies bei
dem Erwerbe der Sache gewußt habe. Dies wegen §§ 846
bis 848 1 2). Ein dritte Art des Besitzverlustes, um das Eigen-
chum des gegenwärtigen Besitzers zu widerlegen, giebt es

1) Vgl. aber die ziemlich entfernte Andeutung bei R e a tz a. a. O.:
„Wenn der frühere Besitzer durch den Nachweis des Besitzverlustes ohne seinen
Willen die ... Vermuthung beseitigt, oder in anderen Fällen wider-
legt habe . . Warum freilich jener erste Fall im Gesetz genannt sein
soll, dieser zweite nicht, und wozu der überfeine Unterschied zwischen „Be-
seitigung" und „Widerlegung" der Rechtsvermuthung, ist mir nicht ganz klar
geworden. Das heißt, ich glaube es zwar nach vieler Mühe verstanden zu haben,
über ich finde es seltsam. Reatz bemerkt darüber a. a. O.: „Die
Vorschrift des Abs. 2 (soll wohl heißen: Satz 2, Absatz i?) sei nicht des-
halb entbehrlich, weil durch den Nachweis des Besitzverlustes ohne Willen
die Eigenthumsvermuthung widerlegt werde: denn dieser Nachweis lasse
die Möglichkeit bestehen, daß der jetzige Besitzer auf andere Art als durch
redlichen Besitzerwerb Eigenthümer geworden sei". Denkt man dabei an
die Möglichkeit des Erwerbes durch Ersitzung und durch Fund? Als ob
nicht auch ohne die ausdrückliche Vorschrift jeder verständige Richter dar-
über vom Beklagten den Gegenbeweis erwarten würde! Sodaß wir es
also nur der Furcht vor richterlichem Unverstand zu verdanken haben, wenn
von dem, was der Kläger zur Begründung seiner Klage zu beweisen, also
von dem, worauf es eigentlich ankommt, wenigstens etwas im Gesetze
stehen soll!
2) Dasselbe gilt, wenn ich recht sehe, auch im ersten Hauptfall dann,
wenn es sich um Geld und Juhaberpapiere handelt. Denn wenn auch wegen
-der letzten Worte des Absatzes 2 („. . . es sei denn, daß es sich um Geld
oder um Juhaberpapiere handelt") die Rechtsvermuthung hier durch den
Nachweis unfreiwilligen Besitzverlustes nicht „beseitigt" wird, so kann sie doch
darum nicht weniger durch diesen Nachweis, in Verbindung mit dem des
bösen Glaubens, „widerlegt" werden. Auch dies folgt aus §§ 846, 848.

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