Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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Pflüger,

tischen Ausgabe der beiden Entwürfe, I. S. 497 Anm. 6, hat
die dafür maßgebenden Erwägungen aus den Protokollen mit-
getheilt. Nach dem ersten Entwurf, wie nach römischem und
gemeinem Rechte, „genügte" zur Begründung der Vindikation
auch bei beweglichen Sachen der Nachweis, daß der Kläger
einmal Eigenthum erworben habe, und hatte der Beklagte zur
Abwehr des Anspruchs auf Herausgabe diesem Nachweis
gegenüber darzuthun, daß das Eigenthum des Klägers nicht
mehr fortbestehe. „Diese Regelung", heißt es aber bei Reatz,
„sei für bewegliche Sachen nicht annehmbar. Sie gefährde den
gegenwärtigen Eigenthümer, der gegenüber einem früheren
Eigenthümer unterliegen müsse, wenn er den oft schwierigen
Beweis seines Eigenthumserwerbes nicht führen könne, und
werde der natürlichen Auffassung von der Bedeutung des gegen-
wärtigen Besitzes nicht gerecht". Durch die im ersten Absatz
des angeführten § 918 zu Gunsten des gegenwärtigen Be-
sitzers aufgestellte Eigenthumsvermuthung soll diese Last auf
den Kläger hinüber gewälzt werden. Und wenn nicht durch
eine zweite Rechtsvermuthung auch für ihn gesorgt wäre, hätte
er jetzt den doppelten Beweis zu führen: daß er einmal Eigen-
thümer geworden sei, und daß er es noch sei. Da aber nach
Absatz 2 vermuthet werden soll, daß er zur Zeit seines Be-
sitzes Eigenthümer gewesen sei, ist ihm der erste Theil des
Beweises geschenkt, und bleibt ihm nur zu beweisen, daß er
sein Eigenthum nicht verloren habe.
Das ist es, was man mir auf meine Frage antworten
wird, aber das was ich hören wollte ist es nicht. Ich will
meine Frage also etwas genauer so wiederholen rWassollder
§ 918 neben dem gleich darauf folgenden § 919?
Dieser lautet also:
„Wer eine bewegliche Sache im Besitz gehabt hat, kann
von dem Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen, wenn

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