Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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v. Tuhr,

in der Verfolgbarkeit einer Forderung zurückwirkt auf einen
Liberationsanspruch, welcher in Bezug auf diese Forderung
dem Schuldner zusteht. Schloßmann scheint es für selbst-
verständlich zu halten, daß ein Liberationsanspruch nur in dem-
selben Maße geltend zu machen ist, in welchem die Haftung
des Schuldners auf dem Wege der Klage und Exekution reali-
sirt werden kann. Daraus würde in der That folgen, daß der
naturale Befreiungsanspruch des Sklaven auf den Betrag des
Pekulium zur Zeit der Kondemnation beschränkt, somit als
Grundlage einer über das Pekulium hinausgehenden Versions-
klage untauglich ist.
Allein mir scheint die Prämisse Schloßmann's irrig
zu sein. Ich glaube, daß der Llberationsanspruch sich zwar
nach Art und Größe der aufzuhebenden Forderung richtet17),
aber ohne Rücksicht darauf, ob die Durchsetzung dieser Forde-
rung durch die Unzulänglichkeit des haftenden Vermögens (Peku-
lium, Konkursmasse, kompetenzsreies Vermögen) augenblicklich
gehemmt ifl18). Denn der Bcfreiungsanspruch geht auf Auf-
hebung der Obligation und nicht bloß auf Abwendung des
Zugriffes des Gläubigers: der liberationsberechtigte Schuldner
kann verlangen, daß ihm die Schuld mit allen ihren Kon-
sequenzen abgenommen werde, und diese Konsequenzen erschöpfen
sich nicht in dem Verlust, den der Gläubiger dem Schuldner
durch Klage zuzufügen vermag: beim benMeium eompettmtiaa
kommt es dem Schuldner darauf an, daß fern künftig zu er-
werbender Kompetenzüberschuß von dem Restanspruch des

17) Vgt. Versio, S 88 fg und 219 fg.
18) Ebenso muß der Schuldner, dem Befreiung zu Theil geworden
ist, sich den Werth dieser Leistung ohne Rücksicht auf seine eigene Solvenz
Unrechnen lassen: debiwr ipse »ibi solveudo videtur, fr. 82 ad t. Falc. 35, 2,
fr. 31 § 1, 4 de m. c. don. 39, 6.

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